Sequel Pro: MySQL Datenbank-Manager für Mac OS X

Sequel Pro: GUI für MySQL-Datenbanken unter Mac OS X
Sequel Pro: GUI für MySQL-Datenbanken unter Mac OS X

Um hie und da MySQL-Datenbanken zu programmieren und zu bewirtschaften ist phpMyAdmin ein bewährtes Werkzeug. Als web-basierte Lösung ist es betriebssystem-unabhängig, und oft muss es nicht einmal installiert werden, weil es bei vielen Webhosting-Angeboten zum Standard gehört. Allerdings ist ein solches Web-Interface weder die schnellste noch die komfortableste Lösung, um eine Datenbank zu verwalten. Die Alternative sind Desktop Clients, welche eine Windows- bzw. Mac-Oberfläche bieten und sich mit dem Datenbank-Server verbinden.

Anforderungen an einen Datenbank-Manager

Unter Windows arbeite ich persönlich gerne mit HeidiSQL. Auf dem Mac hatte ich mich lange Zeit mit phpMyAdmin zufrieden gegeben, aber als einige grössere Projekte anstanden, machte ich mich auf die Suche nach einem MySQL Manager für Mac OS X. Die folgenden Anforderungen standen für mich im Vordergrund:

  • ansprechende, funktionale, selbsterklärende Benutzeroberfläche
  • gute Unterstützung der Datenbewirtschaftung (Datensätze suchen und bearbeiten) und der Datenbankpflege (Tabellen überprüfen/reparieren und analysieren/optimieren)
  • Möglichkeit, über das GUI durchgeführte Datenbankanfragen als SQL Statement anzeigen zu lassen (um dieses dann in PHP Scripts zu übernehmen)
  • Standard-Funktionen zur Bearbeitung der Datenbank-Struktur (Tabellen, Indizes, Beziehungen) und der Datenbank-Benutzer
  • sichere Verbindungen zwischen Client und Server über SSL und SSH
  • Open-Source-Lizenz

Freie MySQL Clients für Mac OS X

Aufgrund der letzten Anforderung fielen kommerzielle Produkte wie Navicat for MySQL, Arealium Querious oder Valentina Studio ausser Betracht. Die Community Edition von MySQL Workbench (welche im Gegensatz zu den anderen Editionen unter der GPL verfügbar ist) beeindruckte mich zwar durch ihren Funktionsumfang, aber nicht unbedingt durch ihre Benutzerfreundlichkeit: Für mich als Gelegenheitsentwickler ist MySQL Workbench tendenziell zu mächtig und zu technisch, auch wenn das Programm als «offizieller» Datenbank-Manager für MySQL zweifellos seine Berechtigung und auch seine Fans hat.

MySQL Workbench für Mac OS X: sehr leistungsfähig, aber etwas unübersichtlich und technisch
MySQL Workbench für Mac OS X: sehr leistungsfähig, aber etwas unübersichtlich und technisch

Schliesslich erinnerte ich mich an einen älteren Artikel in meinem eigenen Blog, in dem ich CocoaMySQL als einziges empfehlenswertes Open Source Tool für Mac OS X bezeichnet hatte. Das Projekt wurde zwar inzwischen eingestellt (weitere Informationen dazu), der Quellcode ist jedoch in eine neue Mac OS X App eingeflossen: Sequel Pro.

Sequel Pro: Übersichtliches GUI für MySQL

Sequel Pro beherrscht man bereits nach wenigen Minuten, wenn man schon einmal mit einem Datenbank-Manager gearbeitet hat. Zunächst wird die Verbindung zum Datenbank-Server aufgebaut (wahlweise auch über SSL oder SSH), danach stehen dessen Datenbanken in einem Dropdown-Menü links oben zur Auswahl. Die Tabellen der gewählten Tabelle werden in der linken Randspalte aufgelistet, über die Werkzeugleiste oben kann man die Struktur, den Inhalt, die Beziehungen, die Triggers sowie die allgemeinen Informationen einer Tabelle abrufen bzw. bearbeiten.

Bearbeitung von Tabellenstruktur und Indizes in Sequel Pro
Bearbeitung von Tabellenstruktur und Indizes in Sequel Pro

Dank der Tabs kann man mit Sequel Pro auch mehrere Datenbanken parallel bearbeiten (auch auf unterschiedlichen Servern). Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit, mehrere Tabellen einer Datenbank in mehreren Tabs parallel zu bearbeiten.

Der Button «Abfrage» öffnet einen Editor, in dem man direkt SQL Statements eintippen und ausführen kann. Die Formatierung des SQL Codes lässt sich in den Voreinstellungen recht gut steuern, und die Auto-Vervollständigen-Funktion liefert sowohl SQL-Schlüsselwörter als auch Datenbank-, Tabellen- und Spaltennamen. Über einen weiteren Button oben rechts können auch die Datenbank-Benutzer und ihre Zugriffsrechte verwaltet werden.

Sequel Pro im Praxiseinsatz

Unter dem Button «Inhalt» werden die Datensätze einer Tabelle aufgelistet. Die Datenbewirtschaftung erfolgt so, wie man das auch von Excel her kennt: direkt in der Tabellenansicht, wobei man mit Pfeil- und Tabulatortasten zwischen den Feldern und den Datensätzen navigieren kann. Das erfordert kaum Einarbeitungszeit, ist aber auf lange Sicht nicht die komfortabelste Lösung, weil man bei umfangreicheren Tabellen oft horzintal scrollen muss. Hier würde ich mir zusätzlich eine Formularansicht zur Bearbeitung eines einzelnen Datensatzes wünschen.

Erweiterter Filter in Sequel Pro: Die Suchfunktionen könnten noch flexibler sein
Erweiterter Filter in Sequel Pro: Die Suchfunktionen könnten noch flexibler sein

Auch die Suchfunktion könnte komfortabler sein: Zwar kann man die Datensätze einer Tabelle sehr schnell nach einem Suchbegriff filtern, aber immer nur über eine einzige Spalte. Der «Erweiterte Filter» erlaubt immerhin Suchen über mehrere Spalten hinweg und gibt auch das zugehörige SQL Statement aus, muss aber immer in einem separaten Fenster geöffnet werden. Einfach mal schnell ein Stichwort über sämtliche Spalten und Tabellen einer Datenbank hinweg zu suchen ist in Sequel Pro leider nicht möglich.

Noch nicht sehr weit gediehen ist auch die Unterstützungen von Beziehungen zwischen Tabellen. So werden Beziehungen rein tabellarisch aufgelistet, nicht in Form einer grafischen Darstellung (was sogar phpMyAdmin beherrscht). Und bei der Datenbewirtschaftung muss man Fremdschlüssel rein numerisch eintippen, d.h. es gibt keine Nachschlagefunktion, welche die gültigen Fremdschlüsselwerte und ihre Bedeutung in einem Dropdown anbietet. Einzig ein Link auf den Datensatz mit dem entsprechenen Primärschlüsselwert ist vorhanden.

Fazit

Die Entwickler von Sequel Pro haben vieles richtig gemacht: Sie haben eine sehr übersichtliche Benutzeroberfläche geschaffen, die Mac-Anwendern spontan gefällt und einleuchtet. Das Programm bietet einen praxisorientierten Funktionsumfang und ist nicht überfrachtet. Gelegentlich ist es allerdings noch etwas gar spartanisch ausgestattet, hier hoffe ich auf die nächste Version. Wie es allerdings mit der Weiterentwicklung von Sequel Pro aussieht, ist schwer zu beurteilen: Die aktuelle Version 1.0.2 ist ziemlich genau ein Jahr alt, und in der rund sechsjährigen Geschichte des Projekts wurden Updates nicht immer sehr regelmässig ausgeliefert. Hoffen wir also, dass Sequel Pro noch lange und intensiv weiterentwickelt wird.

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