SIMILE Timeline: Visualisierung von Geschichte auf der Zeitachse

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Als Historiker habe ich mich seit jeher dafür interessiert, wie man eine Abfolge von Ereignissen und Perioden visuell darstellen kann. Und als Informatiker habe ich stets nach Desktop- und Web-Applikationen gesucht, welche diese Ideen auch umsetzen können – bisher mit mässigem Erfolg: WikiTimeLine beispielsweise ist zwar ein interessanter Ansatz, kann aber weder visuell noch in der Bedienung wirklich überzeugen. Und Web-2.0-Produkte wie z.B. CircaVie oder Timeline kommen zwar optisch attraktiv daher, konzentrieren sich aber mehr auf Community-Funktionalität und Gimmicks als auf eine wirklich übersichtliche und interaktive Visualisierung.

SIMILE Timeline dagegen kommt meiner Vorstellung von einer perfekten Lösung schon sehr nahe. Zunächst ist die doppelte Zeitachse mit den unterschiedlichen Zoom-Stufen eine wirklich schöne Idee. Leider nicht selbstverständlich ist auch die Möglichkeit, sowohl punktuelle Ereignisse als auch Perioden zu visualisieren. Sehr hilfreich ist ferner die Möglichkeit (auf obigem Screenshot nicht sichtbar), die Einträge auf der Zeitachse per Volltextsuche zu filtern oder farbig zu markieren. Ein empfehlenswerter Showcase ist die Religion Timeline über jüdische und christliche Geschichte.

Das schönste aber ist: SIMILE ist nicht nur Open Source (BSD-Lizenz), sondern kann auch sehr einfach in die eigene Website eingebunden werden: Alles was es braucht, ist HTML, JavaScript sowie eine XML-Datei mit den darzustellenden Ereignissen bzw. Perioden. Wer schon einmal ein Google Maps Mashup erstellt hat, wird das Konzept von Timeline rasch begreifen.

SIMILE steht übrigens für Semantic Interoperability of Metadata and Information in unLike Environments und ist ein Projekt der University of California in Berkeley.

P.S. Es gibt auch ein SIMILE Timeline Plug-In für WordPress, das es erlaubt, Blog-Artikel anhand ihres Publikationsdatums auf einer Zeitachse zu platzieren. Aus meiner Sicht ist das nicht unbedingt die sinnvollste Anwendung für Timeline – aber eine hübsche Alternative für ein chronologisch sortiertes Blog-Archiv ist es allemal, wie dieses Beispiel zeigt.

Sweet Home 3D: Wohnung einrichten mit freier Software

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Nein, das blaue Ecksofa in Sweet Home 3D ist nicht ganz nach meinem Geschmack. Das macht aber nichts, denn einerseits lässt sich die Farbe der Möbel jederzeit ändern, und andererseits kann man bei Bedarf weitere 3D-Modelle in den Formaten OBJ, LWS oder 3DS importieren. Solche Modelle finden sich entweder auf der Sweet Home 3D Website, oder man erstellt sie mit einem 3D-Programm wie Art of Illusion oder Blender gleich selbst.

Ist das Mobiliar einmal vorhanden, ist eine Wohnungseinrichtung rasch erstellt. Die Wände kann man entweder nach Mass im Gitterraster (rechts oben) konstruieren oder von einem Plan, den man als Hintergrundbild importiert, nachzeichnen. Dann werden die Möbel aus der 3D-Bibliothek (links oben) in den Plan gezogen, rotiert und skaliert. Dabei erstellt das Programm nicht nur eine Stückliste (links unten), sondern auch eine 3D-Ansicht (rechts unten), die man entweder aus der Vogelschau betrachten oder als virtueller Betrachter begehen kann.

Sweet Home 3D ist eine rundum gelungene Software mit einer guten Online-Hilfe. Die aufgeräumte Benutzeroberfläche versteht man nach wenigen Minuten, und der Funktionsumfang scheint mir genau richtig gewählt, um rasch eine Wohnungseinrichtung zu visualisieren. (Wer allerdings eine CAD-Software erwartet, ist hier definitiv falsch.)

Da Sweet Home 3D in Java programmiert ist, kann es unter Windows, Mac OS X, Linux und Solaris betrieben werden. Die Installation erfolgt entweder über einen klassischen Installer oder über Java Web Start. Das Programm unterliegt der GNU General Public Licence (GPL).

Dia: Visio-Alternative für Windows und Linux

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Nein, Dia ist kein Präsentationsprogramm im Stil von PowerPoint oder Keynote, sondern ein Diagramm-Editor, der nach den Worten der Entwickler „roughly inspired by the commercial Windows program Visio“ ist. Da Dia – wie beispielsweise auch GIMP – auf GTK+ basiert, kann es sowohl unter Linux als auch unter Windows laufen; für letzteres gibt es eine Binary mit Installer.

Das Programm eignet sich für viele Standard-Diagramm-Typen (z.B. Entity-Relationship-Diagramme, Flussdiagramme, Netzwerkdiagramme) und kann durch eigene Diagrammobjekte (Shapes) ergänzt werden. Die Diagrammdateien haben ein proprietäres XML-Format, zusätzlich können sie als EPS, SVG, XFIG, WMF oder PNG exportiert werden.

Zum Entwicklungsstand des Programms schreiben die Entwickler:

„We feel Dia is in a state where it can be actively used. Many features are implemented and the code is quite solid and mature.“

Der erste Eindruck von Dia ist positiv: Man kommt rasch zu einem Resultat, insbesondere wenn man Visio kennt. Der Funktionsumfang ist überschaubar und zweckmässig. Die Benutzeroberfläche ist Standard – nicht besonders innovativ oder gefällig, aber auch nicht das Gegenteil. Einzig die vielen Fenster, die GTK-Programme gerne öffnen, nerven auch hier – ein Docking-Funktion für die diversen Paletten und Fenster wäre wünschenswert.

Seashore: Der Alltags-Grafik-Editor für Mac OS X

Eine Warnung vorweg: Wenn Ihnen das Kürzel GIMP etwas sagt, dann könnten Sie leicht missverstehen, was Seashore ist. Denn Seashore benutzt zwar Code-Teile des Grafikprogramms GIMP und beherrscht auch dessen Dateiformat XCF, in der Benutzung unterscheiden sich die beiden Programme aber massiv – persönlich würde ich sagen: zum Glück.

Seashore ist ein vergleichsweise einfaches Pixelgrafik-Programm. Es bietet Ebenen (inkl. Ebenen-Effekte), Zugriff auf den Alpha-Kanal, Transparenz und eine Plug-In-Architektur für Filter (hier „Effects“ genannt). Nebst dem XCF-Dateiformat werden auch TIFF, PNG, JPEG, JP2000 und GIF unterstützt, zudem können Dateien im Format BMP, PICT, PDF und XBM importiert werden. Die Bedienung ist weitgehend selbsterklärend, sofern man mit den Grundkonzepten eines Grafik-Editors vertraut ist.

Seashore ist ein echtes Mac-Programm: Es benötigt kein X11 und fühlt sich auch sonst wie eine Aqua-Applikation an. Dass Seashore viele Funktionen von GIMP nicht bietet wirkt sich angenehm auf die Benutzeroberfläche aus, die nicht ansatzweise in einer Palettenorgie ausartet wie bei GIMP. Als vollwertiger Photoshop-Ersatz taugt Seashore ganz sicher nicht; für Standardaufgaben im Grafik-Bereich ist es aber eine gute Wahl.

Seashore liegt als Universal Binary vor und läuft somit auf Intel- und PowerPC-Macs. Sofern vorhanden wird auch der AltiVec-Coprozessor unterstützt. Lizenziert ist das Programm unter der GNU General Public Licence (GPL).

Finale Version von Paint.NET 3.0 freigegeben

Das Open-Source-Grafikprogramm Paint.NET für Windows macht nun offiziell den Schritt von der Version 2.72 auf 3.0. Die Neuerungen sind im Changelog zusammengefasst. Verbunden mit dem Versionssprung ist der Abschied von Windows 2000 – um die Software nutzen zu können benötigt man ab sofort Windows XP SP2 oder neuer.

Frühere Beiträge:

pdfforge.org: Open Source Tools zur PDF-Erstellung

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Die Website pdfforge.org beschäftigt sich mit Open Source Software zur Erstellung von PDF-Dokumenten. Im Zentrum steht der PDF Creator, der wie ein Drucker installiert wird und dann die Erstellung von PDF-Dokumenten aus jeder beliebigen Windows-Applikation erlaubt. Die Software hat sich im Alltag bestens bewährt und ist eine empfehlenswerte Alternative zur Acrobat-Vollversion, so lange man die PDF-Dokumente nicht nachbearbeiten möchte.

Nachtrag

Wie aus dem nachstehenden Kommentar hervorgeht installieren neuere Versionen von PDF Creator standardmässig eine problematische Software mit (vgl. auch den Artikel in der englischen Wikipedia, den Blog Post von Peter Mularien sowie die Diskussion im PDF Forge Forum). Achten Sie deshalb bei der Installation darauf, die beiden folgenden Checkboxes zu deaktivieren:

pdfcreator1

pdfcreator2

GIMP vs. Krita: Unentschieden

Krita, das Grafikprogramm des KOffice-Projekts, ist unlängst in der Version 1.6 erschienen. Linux.com hat aus diesem Anlass Krita mit dem Klassiker GIMP verglichen. Das Resultat ist ein klassisches Unentschieden:

„If you do a lot of graphics work, you need to have both Krita and the GIMP; neither is the be-all and end-all of raster graphics editors.“

Open Source Essentials: Scribus

Das Open Source Layout-Programm Scribus ist nicht nur für Linux/Unix, sondern auch für MacOS X und Windows verfügbar. Es unterstützt Funktionen wie CMYK-Farben, Farbseparation, ICC Farbmanagement sowie PDF-Generierung. Auch PDF-Import, EPS- und SVG-Import/Export sowie Unterstützung von OpenType-Fonts und Unicode-Zeichensätzen (inkl. von rechts nach links laufende Schriftsysteme wie Arabisch oder Hebräisch) sind vorhanden. Zur Datenspeicherung benutzt Scribus kein proprietäres Binärformat, sondern XML.

Paint.NET 3.0 als Alpha-Version

Wer nach Open Source Grafikprogrammen sucht, stösst unweigerlich auf GIMP (GNU Image Manipulation Program). Die Software ist für Windows, Mac OS X und UNIX/Linux verfügbar und eine feste Grösse in der Szene. Sie zeichnet sich durch einen beachtlichen Leistungsumfang, aber auch ein eher eigenwilliges Bedienungskonzept aus. Wer Photoshop kennt, muss vieles neu lernen – daran kann auch die Sonderversion Gimpshop (mit Photoshop-kompatiblen Tastaturkürzeln) nur bedingt etwas ändern. Zudem öffnet GIMP für viele Teilaufgaben eigene Fenster, Paletten und Dialoge, was das Programm etwas umständlich und unübersichtlich macht.

Zumindest unter Windows gibt es mit Paint.NET eine prüfenswerte Alternative, die viele Alltagsaufgaben effizient erledigt und inzwischen weit mehr ist als die ursprüngliche geplante Alternative zu Microsoft Paint. Die kürzlich als Alpha-Release veröffentlichte Version 3.0 bringt zudem nochmals eine ganze Reihe von neuen Features (Feature-Liste und Download bei BetaNews). Wie der Name andeutet setzt Paint.NET die Installation des Microsoft .NET-Frameworks voraus.

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