Mit der Kultur-Flatrate gegen Raubkopien?

Elektrischer Reporter – Urheber 2.0: Was tun, wenn keiner kauft?

Wer die ersten paar Minuten dieser Episode von "Elektrischer Reporter" über Creative Commons hinter sich gebracht hat, wird mit einem interessanten Ansatz für die pauschale Abgeltung von urheberrechtlich geschütztem Material belohnt: die Kultur-Flatrate.

Drupal, Acquia und das duale Modell

Als duales Modell bezeichnet man in der Open-Source-Welt ein Lizenzierungskonzept, bei dem der Benutzer die Wahl hat, ob er eine Software kostenlos nutzen will oder ob ihm professioneller Support durch die Entwickler wichtiger ist. MySQL oder RedHat sind Beispiele für Unternehmen, die ihre Produkte nach diesem Modell vertreiben. Das duale Modell macht Sinn: Unternehmenskunden können so Open Source Software einsetzen und erhalten trotzdem Support wie bei einer kommerziellen Software, während Benutzer mit technischem Know-how weiterhin von kostenloser Software auf hohem Niveau profitieren können, wenn sie das wollen.

Nachdem die Drupal-Entwickler kürzlich von Investoren das Kapital zur Gründung von Acquia erhalten haben, erfolgt nun auch bei diesem Open Source CMS der Schritt zum dualen Modell. Man kann Drupal weiterhin nach den Spielregeln der GNU General Public Licence kostenlos nutzen und sich dabei auf freiwilliger Basis von der Community helfen lassen – man kann nun aber auch bei Acquia gegen Bares professionellen Support buchen.

Mehr dazu bei OStatic. (Bemerkung am Rande: Acquia ist ein Sponsor von OStatic.)

Lotus Symphony: Die OpenOffice-Variante von IBM

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Man weiss nicht recht, was man davon halten soll: IBM hat – basierend auf OpenOffice.org – eine neue, kostenlose Office-Suite namens Lotus Symphony veröffentlicht. Da der Download-Server momentan hoffnungslos überlastet ist, beruht dieser Artikel lediglich auf denjenigen Informationen, die man von IBM selbst sowie auf einschlägigen Websites erhält. Trägt man diese zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

  • Lotus Symphony bietet eine Textverarbeitung (IBM Symphony Lotus Documents), eine Tabellenkalkulation (IBM Lotus Symphony Spreadsheets) und ein Präsentationsprogramm (IBM Lotus Symphony Presentations).
  • Derzeit ist Lotus Symphony für Windows und Linux verfügbar; eine Mac-Version ist angekündigt.
  • Lotus Symphony basiert auf demselben Code wie die Productivity Tools in IBMs Groupware Lotus Notes 8.
  • Gegenüber OpenOffice.org besitzt Lotus Symphony unter anderem eine überarbeitete Benutzeroberfläche. Diese wirkt übersichtlich und modern, ist allerdings eher auf Anwender mit durchschnittlichen Ansprüchen zugeschnitten.
  • Lotus Symphony basiert nicht auf der aktuellen OpenOffice.org-Version 2.x (oder gar auf der Version 3.x, welche derzeit als Beta-Version vorliegt), sondern auf der alten Version 1.x.
  • Obwohl es sich um eine angepasste Version von OpenOffice.org handelt, ist Lotus Symphony keine Open Source Software. Dies liegt daran, dass OpenOffice.org 1.x damals nicht nur unter der LGPL-Lizenz, sondern auch unter der (heute nicht mehr benutzten) Sun Industry Standards Source License SISSL veröffentlicht wurde. Diese Lizenz erlaubt es, Modifikationen einer Software zu erstellen und zu verbreiten, ohne den Quellcode der Modifikationen offenlegen zu müssen.

Insgesamt scheint es, dass Lotus Symphony vor allem für IBM wichtig ist, um sich im Bereich der Groupware- und Office-Lösungen besser zu positionieren. Die Software mag technisch und konzeptionell überzeugen, und wenn es nur um den finanziellen Aspekt geht, scheint das Angebot attraktiv. Für die Open Source Community ist Symphony allerdings nur bedingt ein Gewinn, weil IBM zwar von OpenOffice.org profitiert, die Modifikationen aber zurückbehält.

International Music Score Library Project geht wegen potentiellem Rechtsstreit offline

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Das International Music Score Library Project IMSLP hat seinen Betrieb eingestellt, nachdem der Verlag Universal Edition Copyright-Verletzungen geltend gemacht hatte und vom IMSLP in einer Unterlassungsaufforderung geeignete Gegenmassnahmen verlangte. Das IMSLP sammelte Scans von Musiknoten, deren Copyright abgelaufen ist, und nutzte dazu die MediaWiki-Software, auf der auch die Wikipedia aufbaut.

Wie der Initiator des Projekts Xiao-Guang Guo schreibt, habe Universal Edition zwar nicht die Schliessung des Wikis verlangt; die Umsetzung der geforderten Massnahmen würden aber seine Möglichkeiten übersteigen. Und auf einen Rechtsstreit wollte sich der Student verständlicherweise nicht einlassen. Er bietet aber Hand dazu, dass eine Organisation das Projekt weiterführt:

„Due to demand, I strongly encourage any organization willing to support a continuation of IMSLP to contact me at imslp@imslp.org.“

Letzteres wäre aus meiner Sicht ausgesprochen wünschenswert. Es geht mir nicht einmal so sehr um den Fortbestand des IMSLP, sondern um die Klärung der Grundsatzfrage, wie weit der Betreiber eines Wikis für Copyright-Verletzungen haftbar gemacht werden kann. Denn letztlich (und das müsste auch Ken Clark als Anwalt von Universal Edition wissen) ist es unmöglich, Copyright-Verletzungen in einem Wiki 100prozentig auszuschliessen, wenn man nicht jeden Beitrag vor der Veröffentlichung einem Rechtsgutachten unterziehen will (was sicher nicht praktikabel ist und dem Wiki-Prinzip fundamental widerspricht). Auch der vom Anwalt konkret vorgeschlagene IP-Filter wäre ein völlig untaugliches Mittel:

„It is our understanding that it is possible to filter lP addresses of those who take part in copying files from your site to prevent such unauthorized copyright infringement.“

Sollte der Fall der IMSLP Schule machen, dann müssten wohl viele Wikis auf dieser Welt offline gehen. Ein Musterprozess, der die Grenzen der Haftbarkeit von Wiki-Betreibern auslotet, wäre deshalb wünschenswert. Persönlich scheint es mir fragwürdig, den Plattformbetreiber haftbar zu machen, weil er einfacher greifbar ist als der eigentliche Copyright-Verletzer. Und vor allem würde dieses Konzept eine fundamentale Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit bewirken, wie sie heute in Wikis praktiziert wird.

Links zum Thema:

OpenProj: Open-Source-Alternative zu Microsoft Project

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OpenProj heisst ein neues Projektmanagement-Programm mit Open-Source-Lizenz, das sich explizit als Alternative zu Microsoft Project bezeichnet und damit auch in Konkurrenz zu GanttProject (vgl. GanttProject: Projektplanung für alle Betriebssysteme) und Open Workbench steht.

Als Java-Applikation läuft OpenProj auf allen gängigen Betriebssystemen (Windows, Mac OS X, Linux) – mit dem kleinen Nachteil, dass es sich nirgends als 100prozentig native Software anfühlt. Die Benutzeroberfläche ist sehr stark an Microsoft Project angelehnt, und auch bestehende Dateien im MS-Project-Format können mit OpenProj bearbeitet werden.

Insgesamt macht OpenProj einen sehr guten Eindruck, besonders im Vergleich zu den beiden Open-Source-Alternativen: Es ist leistungsfähiger als GanttProject und läuft im Gegensatz zu Open Workbench nicht nur unter Windows. Obwohl erst gerade als Open Source freigegeben wirkt das Programm sehr reif – was daran liegt, dass OpenProj aus dem kostenpflichtigen Project-On-Demand von Projity hervorgegangen ist.

In einem gewissen Sinn ist OpenProj natürlich Werbung für diesen Dienst: Wer irgendwann an die Grenzen einer Einzelplatz-Projektmanagement-Lösung stösst und online im Team planen will, wird zwangsläufig auf Project-On-Demand wechseln, mit dem Projity sein Geld verdient. Dazu passt, dass Projity die Software unter der Common Public Attribution License (CPAL) veröffentlich hat, die erst kürzlich von der Open Source Initiative OSI zertifiziert wurde. Die – nicht ganz unumstrittene – CPAL kann dem Benutzer vorschreiben, beim Einsatz einer Software nicht nur im Quelltext, sondern auch an gut sichtbarer Stelle auf die Herkunft des Codes zu verweisen (vgl. Anhang B).

Das Beispiel zeigt sehr schön, dass Open Source Software längst nicht immer ein Produkt von Enthusiasten und Idealisten ist, sondern zunehmend auch als Marketing-Instrument eingesetzt wird. An der Qualität von OpenProj ändert das allerdings nichts: Die Open-Source-Welt ist damit um ein attraktives Programm in einem bisher eher spärlich bestückten Anwendungsgebiet reicher geworden.

Tor: Privatsphäre schützen im Internet

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Freiheit hat im Zusammenhang mit Tor eine doppelte Bedeutung: Einerseits ist Tor freie Software mit einer BSD-Lizenz – andererseits ist Tor ein System, welches die Anonymität und damit die Freiheit der Internet-Benutzer schützen hilft. Das Projekt ist mit der Electronic Frontier Foundation EFF verbunden, welche sich mit Persönlichkeitsrechten in der digitalen Welt beschäftigt.

Ähnlich wie andere Peer-to-Peer-Ansätze arbeitet Tor nicht mit einem zentralen Server, sondern mit einem Netz von normalen PCs, die als Knoten fungieren und einen Teil Ihrer Rechenleistung und Bandbreite zur Verfügung stellen. Wie das funktioniert, zeigt obiges Schema: Wenn Alice auf den Server von Bob zugreifen will, erfolgt die Verbindung verschlüsselt über eine zufällige Auswahl von Tor-Knoten.

Einen Tor-Knoten kann jeder einrichten – ohne besondere technische Kenntnisse und unabhängig vom Betriebssystem (Tor unterstützt Windows, Mac OS X und Unix/Linux). Und je mehr es sind, desto besser funktioniert das System. Tor und die Benutzeroberfläche Vidalia kann man hier hierunterladen. Und ein Interview mit dem Tor-Präsidenten Roger Dingledine gibt es bei netzpolitik.org:

(via Stefon’s Blog)

Wie man ein Open-Source-Projekt aufbaut und führt

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Dieses Blog befasst sich primär mit dem Einsatz von Open Source Software, nicht mit deren Entwicklung. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle ein Fachbuch vorstellen, das den Aufbau und die Führung eines Open-Source-Projekts praxisnah und mit viel Sachkenntnis beschreibt: Producing Open Source Software: How to Run a Successful Free Software Project von Karl Fogel. Auch wenn teilweise technische Aspekte (z.B. Versionierungsmethoden) oder rechtliche Fragen (z.B. Lizenzen) diskutiert werden, so geht es in erster Linie darum, wie man ein solches Projekt managt und zum Erfolg führt:

„Producing Open Source Software is a book about the human side of open source development. It describes how successful projects operate, the expectations of users and developers, and the culture of free software.“

Der Titel ist im O’Reilly-Verlag erschienen, kann aber auch als PDF-Dokument oder im HTML-Format von der Website heruntergeladen werden. Da er unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike License steht können Texte daraus auch kopiert und weiterverarbeitet werden.

Vom legalen und illegalen Sound Sampling

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Darf man Sound Samples für eigene Musikproduktionen verwenden? Diese Frage, die für die heutige Musikkultur von zentraler Bedeutung ist, versucht Poto Wegener zumindest für das Schweizer Urheberrecht zu beantworten. Wegener ist als Leiter der Urheberabteilung der SUISA ein Spezialist auf diesem Gebiet. Seine Dissertation „Sound Sampling: Der Schutz von Werk- und Darbietungsteilen der Musik nach schweizerischem Urheberrechtsgesetz“ ist bei Helbing & Lichtenhahn erschienen.

(via Swiss Music News)

GNU General Public Licence (GPL) Version 3

16 Jahre alt ist die wichtigste Open-Source-Lizenz, die GNU General Public Licence (GPL) Version 2, und sie ist sowohl technisch wie auch rechtlich nicht mehr in allen Punkten auf dem aktuellen Stand. Nach vier – teilweise heftig diskutierten – Entwürfen hat die Free Software Foundation (FSF) nun am 29. Juni 2007 die finale Version 3 veröffentlicht.

Die GPL v3 stellt sich gegen technische Schutzmassnahmen wie das Digitial Rights Management (DRM), weil dieses dazu genutzt werden könnte, die Ausführung von modifizierter Software auf einer bestimmten Hardware zu verhindern. Die Modifikation von Software sei ein Kerngedanke von Open Source, argumentiert die FSF – der Hersteller einer Hardware solle selbst bestimmen dürfen, welche Software auf seiner Hardware läuft, hält Linus Torvalds dagegen. Ein zweiter Diskussionspunkt betrifft Software-Patente: Konkret verbietet die GPL v3 Patent-Lizenzen für spezifische Produkte – eine Reaktion auf das Abkommen zwischen Microsoft und Novell (vgl. Was bedeutet die Partnerschaft zwischen Microsoft und Novell?). Kevin Carmony (CEO von Linspire) kritisierte, dass dadurch keine proprietären Treiber oder Codecs in Linux-Distributionen aufgenommen werden könnten, was der Verbreitung des freien Betriebssystems mehr schaden als nützen würde.

Andere Neuerungen der GPL v3 sind dagegen kaum umstritten. Sie passen die Lizenz den neuen technischen Gegebenheiten an, schliessen Lücken für Missbräuche und nehmen auch auf Rechtssysteme ausserhalb der USA Rücksicht (Stichwort: Internationalisierung). Die Lizenz ist dadurch deutlich länger und auch komplexer geworden. Entwicklern steht es frei, weiterhin die GPL v2 zu benutzen oder ihre Software unter die GPL v3 zu stellen.

Mehr zum Thema:

OpenNet Initiative: 25 von 41 Ländern zensurieren das Internet

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Wie eine kürzlich vorgestellte Untersuchung der OpenNet Initiative zeigt, ist die Zensur des Internets weit verbreitet. Zudem nimmt die Zensur zu, wie John Palfrey von der Harvard Law School schreibt:

„The headline of the study is a substantial growth in the scale, scope and sophistication of Internet filtering worldwide, in 25 of the 41 states in which we tested.“

Die Untersuchung, die 5 Jahre dauerte, wurde anlässlich der ersten Global Internet Filtering Conference vorgestellt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse können auf der neu gestalteten Website der OpenNet Initiative eingesehen werden, Details werden in Buchform unter dem Titel Access Denied: The Practice and Policy of Global Internet Filtering veröffentlicht.

Eine Bemerkung am Rande: Nebst der politischen Zensur, an die man in diesem Zusammenhang sofort denkt, betreffen solche Massnahmen auch andere Inhalte. Deshalb unterscheidet der Bericht unter anderem zwischen Political Content (Karte oben) und Social Content (Karte unten). Social Content meint dabei Glückspiel, Drogen und Pornografie. Und da man auch als liberaler Geist gewisse Inhalte gerne aus dem Internet verbannen möchte, taucht irgendwann die Frage auf, ob denn Internet-Zensur nur negativ zu bewerten sei oder ob es auch gute Zensur gibt. Diese Frage wurde an der Konferenz ebenfalls diskutiert, wie bei Urs Gasser von der Harvard Law School nachzulesen ist.

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