Tor: Privatsphäre schützen im Internet

image

Freiheit hat im Zusammenhang mit Tor eine doppelte Bedeutung: Einerseits ist Tor freie Software mit einer BSD-Lizenz – andererseits ist Tor ein System, welches die Anonymität und damit die Freiheit der Internet-Benutzer schützen hilft. Das Projekt ist mit der Electronic Frontier Foundation EFF verbunden, welche sich mit Persönlichkeitsrechten in der digitalen Welt beschäftigt.

Ähnlich wie andere Peer-to-Peer-Ansätze arbeitet Tor nicht mit einem zentralen Server, sondern mit einem Netz von normalen PCs, die als Knoten fungieren und einen Teil Ihrer Rechenleistung und Bandbreite zur Verfügung stellen. Wie das funktioniert, zeigt obiges Schema: Wenn Alice auf den Server von Bob zugreifen will, erfolgt die Verbindung verschlüsselt über eine zufällige Auswahl von Tor-Knoten.

Einen Tor-Knoten kann jeder einrichten – ohne besondere technische Kenntnisse und unabhängig vom Betriebssystem (Tor unterstützt Windows, Mac OS X und Unix/Linux). Und je mehr es sind, desto besser funktioniert das System. Tor und die Benutzeroberfläche Vidalia kann man hier hierunterladen. Und ein Interview mit dem Tor-Präsidenten Roger Dingledine gibt es bei netzpolitik.org:

(via Stefon’s Blog)

OpenNet Initiative: 25 von 41 Ländern zensurieren das Internet

zensur1.gif

Wie eine kürzlich vorgestellte Untersuchung der OpenNet Initiative zeigt, ist die Zensur des Internets weit verbreitet. Zudem nimmt die Zensur zu, wie John Palfrey von der Harvard Law School schreibt:

„The headline of the study is a substantial growth in the scale, scope and sophistication of Internet filtering worldwide, in 25 of the 41 states in which we tested.“

Die Untersuchung, die 5 Jahre dauerte, wurde anlässlich der ersten Global Internet Filtering Conference vorgestellt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse können auf der neu gestalteten Website der OpenNet Initiative eingesehen werden, Details werden in Buchform unter dem Titel Access Denied: The Practice and Policy of Global Internet Filtering veröffentlicht.

Eine Bemerkung am Rande: Nebst der politischen Zensur, an die man in diesem Zusammenhang sofort denkt, betreffen solche Massnahmen auch andere Inhalte. Deshalb unterscheidet der Bericht unter anderem zwischen Political Content (Karte oben) und Social Content (Karte unten). Social Content meint dabei Glückspiel, Drogen und Pornografie. Und da man auch als liberaler Geist gewisse Inhalte gerne aus dem Internet verbannen möchte, taucht irgendwann die Frage auf, ob denn Internet-Zensur nur negativ zu bewerten sei oder ob es auch gute Zensur gibt. Diese Frage wurde an der Konferenz ebenfalls diskutiert, wie bei Urs Gasser von der Harvard Law School nachzulesen ist.

zensur2.gif

Diskussion um Internet-Zensur in der Schweiz

Medienberichte über die Sperrung von Kinderpornografie-Websites durch Schweizer Internet-Provider Ende Januar 2007 waren der Auslöser für die Einrichtung von www.keine-zensur.ch, einem Online-Forum gegen Internet-Zensur. Die Diskussion ist allerdings noch nicht so richtig in Gang gekommen – was daran liegen mag, dass viele Befürworter der Informationsfreiheit nicht ausgerechnet den Anbietern von Kinderpornografie in die Hände spielen wollen. Intensiver wird die Diskussion dagegen bei heise.de geführt.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man tatsächlich von einer verfassungswidrigen Zensur sprechen kann, wenn der Konsum von gesetzlichen verbotenen Inhalten mit technischen Mitteln unterbunden wird. Andererseits handelt es sich bei der Sperrung nicht etwa um eine gerichtlich angeordnete Massnahme, sondern um eine Empfehlung der Schweizerischen Kriminalprävention, hinter der die Konferenz der Kantonalen Justiz– und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) steht. Und nicht alle Provider sind dieser Empfehlung auch gefolgt. Dass in der ganzen Angelegenheit alles andere als Rechtssicherheit besteht, kann man im Blog von Fredy Künzler nachlesen, der als CEO von Init Seven AG die Sperrung boykottiert hat.

Google zensuriert

Nachdem der Verdacht aufgetaucht ist, dass irakische Terroristen Google Earth zur Planung von Anschlägen auf die alliierten Streitkräfte benutzen, hat Google offenbar reagiert und einige kritische Regionen… nun, sagen wir: retouchiert. Statt der aktuellen Satelliten-Aufnahmen (links) werden nun wieder ältere Bilder (rechts) gezeigt, wie The Register berichtet.

Wie soll man das bewerten? Auch wenn es um das Wohl von westlichen Truppen geht, und auch wenn der Schritt so spät kommt, dass er wohl nur noch wenig Wirkung zeigen wird: Wer Bilder bewusst manipuliert, betreibt Zensur. Und Zensur passt besonders schlecht zu einem Unternehmen, dessen Anspruch es ist, das Wissen dieser Welt zu erschliessen.

Andererseits hat Google nie behauptet, die Welt tagesaktuell abzubilden. Die Google Earth FAQ sagen klar:

Zeigt Google Earth Bilder in Echtzeit an?

Nein. Unsere Bilder wurden von Satelliten und Flugzeugen innerhalb der letzten drei Jahre aufgenommen.

Das kann man am Beispiel von Zürich gut nachvollziehen. So wird beispielsweise gemäss Google am Kreuzplatz noch immer kräftig gebaut – in Realität ist der Komplex längst fertig:

Auch das Parkdeck über der Sihl beim Hauptbahnhof, das man bei bei Google noch immer bestaunen kann, gehört glücklicherweise längst der Vergangenheit an:

Noch keine Spur ist dafür von der Fussgängerbrücke über die Limmat zu sehen, die den Kreis 5 nun schon seit einiger Zeit mit Wipikingen verbindet:

Und auf dem kürzlich zur autofreien Zone umgebauten Limmatquai stehen gemäss Google noch immer Autokolonnen:

Net Neutrality oder The End Of The Internet As We Know It

In den USA wird derzeit intensiv über Network Neutrality diskutiert. Es geht um die Frage, ob diejenigen Unternehmen, welche die Leitungen des Internets bauen und betreiben, auch darüber bestimmen dürfen, welche Daten sie transportieren und welche nicht.

Net Neutrality meint das Prinzip, dass die Benutzer des Internets absolut frei darin sind, welche Daten sie senden oder empfangen. Net Neutrality impliziert den Verzicht auf jegliche Zensur oder Benachteiligung bestimmter Inhalte oder Protokolle – seien diese Eingriffe nun politisch oder wirtschaftlich motiviert.

Diese Neutralität der Internet-Infrastruktur ist durch das neue amerikanische Telekommunikationsgesetz gefährdet. Auf dieser gesetzlichen Grundlage könnten Telekommunikationskonzerne beispielsweise beginnen, gewisse Daten gegen entsprechendes Entgelt bevorzugt zu transportieren – auf Kosten von Daten nicht-zahlender Anbieter.

Es ist absehbar, dass ein solches Gesetz den freien und gleichberechtigten Zugang zum Internet massiv gefährden würde. Im besten Fall würde es zu einer Zweiklassengesellschaft im Internet führen, im schlechtesten Fall zu einer kompletten Ausgrenzung von nicht zahlenden Content-Providern. Das Internet würde zu einem Massenmedium in dem Sinn, dass Inhalte nur noch von wenigen grossen Unternehmen produziert würden, während heute das Internet ja genau davon lebt, dass sich jeder aktiv beteiligen kann.

Die Gefährdung der Net Neutrality ruft nicht nur Bürgerrechtler auf den Plan, sondern auch grosse Unternehmen wie beispielsweise Google (vgl. A Guide to Net Neutrality for Google Users). Auch der Erfinder des World Wide Web Tim Berners-Lee hat klar Stellung bezogen. Die folgenden Websites unterstützen die Net Neutrality:

Mehr zum Thema ist in der deutschsprachigen (Schlagwort: Netzneutralität) und vor allem in der englischsprachigen Wikipedia (Schlagwort: Network Neutrality) zu finden. Bei CNET gibt es ein Dossier Net Neutrality Showdown.

Amnesty International: Petition gegen Internet-Zensur

Obige Karte der OpenNet Initiative ONI zeigt, in welchen Ländern das Internet durch die Behörden zensuriert wird. Autoritäre Regimes überwachen nicht nur die Publikation von politischen Informationen im eigenen Land, sondern filtern missliebige Inhalte jeglicher Herkunft. So werden beispielsweise in China gewisse Schlagwörter von den Suchmaschinen nicht akzeptiert bzw. die Resultatslisten gefiltert, wenn man nach „Demokratie“, „Unabhängigkeit Tibet“ oder „Falun Gong“ sucht – dank der Kooperation von Microsoft, Google und Yahoo mit den chinesischen Behörden.

Amnesty Internatinal hat deshalb mit IRREPRESSIBLE.INFO ein Kampagne gegen die Internet-Zensur lanciert. Mit einer Online-Petition – die schon von über 40’000 Personen unterzeichnet wurde und im November 2006 bei der Uno-Konferenz über die Zukunft des Internets (Internet Governance Forum) übergeben wird – soll der folgenden Forderung Nachdruck verliehen werden:

„I believe the Internet should be a force for political freedom, not repression. People have the right to seek and receive information and to express their peaceful beliefs online without fear or interference.

I call on governments to stop the unwarranted restriction of freedom of expression on the Internet – and on companies to stop helping them do it.“

css.php