e-rara.ch macht alte Drucke aus Schweizer Bibliotheken digital zugänglich

Zürcher Bibel, übersetzt von Ulrich Zwingli, gedruckt von Christoph Froschauer (Titelseite)

Gedruckte Bücher gibt es seit dem 15. Jahrhundert, und die Werke der vergangenen Jahrhunderte wären aus Sicht des Urheberrechts längst frei nutzbar. Weil es sich aber oft um seltene und empfindliche Objekte handelt, sind sie in der Praxis nur schwer zugänglich. Retrodigitalisierungsprojekte, welche inzwischen in vielen Bibliotheken laufen, stellen die wertvollen Stücke als digitale Faksimiles ins Internet und erschliessen sie so für ein breites Publikum.

Eines dieser Projekte ist e-rara.ch, welches sich auf alte Drucke aus den Beständen von Schweizer Bibliotheken konzentriert. Der Schwerpunkt liegt auf Schweizer Drucken des 16. Jahrhunderts mit unterschiedlichsten Inhalten (derzeit knapp 900 Titel), hinzu kommen Fachbücher aus den Bereichen Astronomie, Architektur und Städtebau sowie Mathematik und Physik (derzeit gut 450 Titel). Ein Teil der Werke ist in lateinischer Sprache verfasst, es finden sich aber genügend deutsche, englische, französische oder italienische Titel, die auch für Nicht-Lateiner verständlich sind.

Zürcher Bibel (Miniatur-Ansicht)

Sowohl die Suche nach Titeln innerhalb der ganzen Sammlung als auch die Navigation innerhalb eines einzelnen Titels scheint mir gut gelöst. Die Auflösung der Scans ist hoch genug, dass man auch Details problemlos erkennen kann – in der Zoom-Ansicht kann man etwa die von Christoph Froschauer gedruckte Zwingli-Bibel in gut 5facher Vergrösserung betrachten.

Zürcher Bibel (Zoom-Ansicht)

Erfreulicherweise gibt es aber nicht nur dieses gut gemacht Web-Interface, sondern auch die Möglichkeit, einen Titel komplett als PDF-Dokument herunterzuladen. Mit einem geeigneten PDF-Reader kann man dann beispielsweise Notizen anbringen, was für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer historischen Quelle meist unerlässlich ist. Auch zur Lektüre auf einem iPad eignet sich die PDF-Version, wobei in diesem Fall eine (kostenpflichtige) App wie iAnnotate PDF oder GoodReader zu empfehlen ist.

Zürcher Bibel (PDF-Version auf iPad mit iAnnotate PDF)

Scriblio: (Bücher-)Katalog mit Faceted Search auf WordPress-Basis

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Je mehr Informationen verfügbar sind, desto schwieriger wird es, die wirklich relevanten Informationen zu finden. Dies gilt umso mehr, wenn man nicht genau weiss, nach welchem Begriff man eigentlich suchen soll, oder wenn dieser Begriff zu unscharf ist und deshalb zu viele Treffer ergibt. Unter diesen Umständen kommt man mit einer klassischen Stichwortsuche, wie man sie von Google kennt, nicht weit.

Ein Konzept, welches dieses Problem lösen soll, ist Faceted Search (auch Guided Navigation, Guided Search oder Search and Navigation genannt), eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Filtermethode. Dabei stehen nach der ersten Stichwortsuche geeignete Kategorien zur Verfügung, über welche die Treffermenge per Mausklick eingeschränkt werden kann. Idealerweise gibt das System sogar pro Kategorie an, wieviele Treffer zu erwarten sind – Kategorien ohne Treffer werden gar nicht angeboten. Die Kategorien können unterschiedlichen Gruppen angehören, und man kann auch mehrere Kategorien in Kombination auswählen.

Nehmen wir einen Bibliothekskatalog als Beispiel: Gibt man als Stichwort „Wirtschaft“ ein, so erhält man in der Regel eine riesige Treffermenge mit oft wenig spezifischen Treffern. Wenn man dann allerdings die Kategorien „Börse“, „Krise“ und „20. Jahrhundert“ als ergänzende Filterkriterien auswählt, ergibt sich rasch eine überschaubare Liste mit Literatur zur Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.

Ein System mit einer Faceted Search zu bauen ist nicht ganz trivial. Umso spannender erscheint mir Scriblio, ein auf der Blog-Software WordPress aufbauendes System für Online-Bibliothekskataloge (OPAC) mit Faceted Search. Die Installation ist vergleichsweise einfach und besteht darin, dass man WordPress mit zwei Plugins und einem Theme erweitert. Scriblio wirklich zu verstehen ist dann allerdings eine andere Sache, denn die Datenstruktur eines Buchtitels ist für Nicht-Bibliothekare nicht ganz trivial, zumal die Dokumentation nicht allzu umfangreich ist.

Wer einerseits das Prinzip der Faceted Search besser verstehen und andererseits Scriblio testen will schaut sich am besten den Katalog der Cook Memorial Library oder die Fotosammlung der Brown Company an.

Books 3.0.1: Literaturverwaltung für Mac OS X

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Books ist ein Programm für Mac OS X, das primär Studenten, Wissenschafter und Bücherwürmer schätzen werden: Es hilft bei der Literaturverwaltung. Nebst den detaillierten bibliographischen Angaben kann man pro Buch auch Inhaltszusammenfassungen, Rezensionen sowie die Verfügbarkeit in Bibliotheken speichern. Zur Gliederung eines grösseren Bestandes kann man Bücherlisten anlegen, zudem gibt es sogenannte intelligente Bücherlisten, die sich aufgrund vorgegebener Filterkriterien automatisch aktualisieren.

Das Highlight des Programms ist die Funktion „Automatisch ausfüllen“, welche es erlaubt, die bibliographischen Daten zu einem Buch aus einem Online-Katalog herunterzuladen, so dass man sich die manuelle Erfassung sparen kann. Zu diesem Zweck gibt es eine ganze Reihe von Erweiterungen, welche Schnittstellen zu Internet-Datenbanken wie z.B. Amazon, Library of Congress, GVK oder Helveticat bereitstellen. Ausserdem gibt es verschiedene Export-Erweiterungen, um die Daten später auch wieder exportieren zu können.

Books wird von Chris Karr entwickelt, unterliegt der MIT Licence und ist auch in einer deutschen Version verfügbar.