GNU General Public Licence (GPL) Version 3

16 Jahre alt ist die wichtigste Open-Source-Lizenz, die GNU General Public Licence (GPL) Version 2, und sie ist sowohl technisch wie auch rechtlich nicht mehr in allen Punkten auf dem aktuellen Stand. Nach vier – teilweise heftig diskutierten – Entwürfen hat die Free Software Foundation (FSF) nun am 29. Juni 2007 die finale Version 3 veröffentlicht.

Die GPL v3 stellt sich gegen technische Schutzmassnahmen wie das Digitial Rights Management (DRM), weil dieses dazu genutzt werden könnte, die Ausführung von modifizierter Software auf einer bestimmten Hardware zu verhindern. Die Modifikation von Software sei ein Kerngedanke von Open Source, argumentiert die FSF – der Hersteller einer Hardware solle selbst bestimmen dürfen, welche Software auf seiner Hardware läuft, hält Linus Torvalds dagegen. Ein zweiter Diskussionspunkt betrifft Software-Patente: Konkret verbietet die GPL v3 Patent-Lizenzen für spezifische Produkte – eine Reaktion auf das Abkommen zwischen Microsoft und Novell (vgl. Was bedeutet die Partnerschaft zwischen Microsoft und Novell?). Kevin Carmony (CEO von Linspire) kritisierte, dass dadurch keine proprietären Treiber oder Codecs in Linux-Distributionen aufgenommen werden könnten, was der Verbreitung des freien Betriebssystems mehr schaden als nützen würde.

Andere Neuerungen der GPL v3 sind dagegen kaum umstritten. Sie passen die Lizenz den neuen technischen Gegebenheiten an, schliessen Lücken für Missbräuche und nehmen auch auf Rechtssysteme ausserhalb der USA Rücksicht (Stichwort: Internationalisierung). Die Lizenz ist dadurch deutlich länger und auch komplexer geworden. Entwicklern steht es frei, weiterhin die GPL v2 zu benutzen oder ihre Software unter die GPL v3 zu stellen.

Mehr zum Thema:

Schweizer Version der Creative Commons Licence fertiggestellt

Nach zwei Draft-Versionen ist nun die Adaption der Creative Commons Licence an das Schweizer Recht abgeschlossen. Der offizielle Launch findet am 26. Mai 2007 im Rahmen des Tweakfest in Zürich statt. Nach dem Abschluss der eigentlichen juristischen Arbeit übergibt zudem Openlaw den Public Project Lead an den Verein Digitale Allmend; Openlaw bleibt aber Legal Project Lead. Weitere Informationen in der offiziellen Akündigung auf der Website von Creative Commons Switzerland.

Alles über die GNU General Public Licence (GPL)

Die GNU General Public Licence ist die vielleicht wichtigste Lizenz für freie Software. „Die GPL kommentiert und erklärt“ befasst sich auf gut 200 Seiten ausführlich mit der von Richard Stallman geschaffenen Lizenz und dem darin verankerten Copyleft-Prinzip. Die Autoren gehören alle dem Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS) an und stellen die GPL in den Kontext des deutschen Rechts. Der O’Reilly-Verlag hat den Titel im Rahmen seines OpenBooks-Programms unter einer Creative-Commons-Lizenz freigegeben, so dass der Volltext im Original-Layout als PDF-Datei frei heruntergeladen werden kann.

Auch Freie Software hat Rechte

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man mit Freier Software machen darf, was immer man will. Auch Freie Software unterliegt dem Urheberrecht und wird unter einer bestimmten Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung regelt – es sei denn, der Urheber verzichtet explizit auf sein Urheberrecht und erklärt die Software als Allgemeingut (vgl. Public Domain).

Lizenzen für Freie Software (vgl. die Übersicht des ifrOSS oder die Übersicht der FSF) sind zwar sehr verschieden von klassischen Software-Lizenzen, da sie sowohl die Weiterverbreitung als auch die Modifikation des Codes explizit erlauben. Viele von ihnen machen aber die Einschränkung, dass modifizierte Versionen der Software wiederum unter derselben Lizenz freigegeben werden müssen (sog. Copyleft-Effekt). Der Klassiker unter diesen Lizenzen ist die GNU General Public License (GPL). Wenn also ein Unternehmen eine GPL-lizenzierte Software nimmt, modifiziert und dann als proprietäre Software kommerzialisiert, dann handelt es sich hierbei um eine Copyright- und Lizenzverletzung.

Harald Welte hat es sich zur Aufgabe gemacht, Verstösse gegen die GPL bekannt zu machen und auch rechtlich zu verfolgen. Er ist damit nicht nur sehr beschäftigt, sondern auch sehr erfolgreich, wie er jüngst auf der Website gpl-violations.org bilanzierte:

„By June 2006, the project has hit the magic ‚100 cases finished‘ mark, at an exciting equal ‚100% legal success‘ mark. Every GPL infringement that we started to enforce was resolved in a legal success, either in-court or out of court.“

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