XMind: Professionelle Mind Mapping Software für Windows, Mac OS und Linux

Wer bislang ein Mind-Mapping-Programm mit Open-Source-Lizenz suchte, landete fast zwangsläufig bei FreeMind. Seit wenigen Tagen gibt es jedoch eine Alternative, die ich ausgesprochen überzeugend finde: XMind.

Was das Erstellen von Mind Maps angeht, so bietet XMind alles, was man in der Praxis braucht. Weil man den einzelnen Knoten Notizen, Links, Bilder, Attachments und Symbole hinzufügen kann, lässt sich auch ein umfangreicheres Konzept problemlos in einer Mind Map verwalten. Bezüglich der Formatierung bietet XMind viele Möglichkeiten, wobei mir persönlich insbesondere die Umwandlung einer klassischen Mind Map in eine Sitemap wichtig ist (weil man so aus einem Brainstorming rasch eine Website-Struktur entwickeln kann). Details sind den schön gemachten Demo-Videos zu entnehmen.

XMind wurde auf Basis der Eclipse-Plattform entwickelt und besitzt deshalb eine sehr flexible Oberfläche. Die meisten Funktionen sind nicht in Dialogen oder Paletten untergebracht, sondern in Registern, die rings um das Hauptfenster angedockt werden. So kann man sich seine ideale Arbeitsumgebung massschneidern und hat schnellen Zugriff auf häufig benötigte Funktionen. Ein weiterer Vorteil der Eclipse-Plattform ist, dass sie auf Java basiert und deshalb für verschiedene Betriebssysteme verfügbar ist; so läuft auch XMind gleichermassen unter Windows, Mac OS und Linux. Sogar als Portable Application, die direkt von einem USB-Stick aus gestartet werden kann und mit allen drei Betriebssystemen zurechtkommt, ist XMind verfügbar. Wer möchte kann XMind zudem als Plug-in in eine existierende Eclipse-Installation integrieren.

Wie kommt es, dass über Nacht eine derart ausgereifte Software als Open Source verfügbar wird? XMind gibt es schon länger, aber bisher nur als kommerzielle Software. Die Freigabe der Standard-Version unter der Eclipse Public Licence (EPL) bzw. der GNU Lesser General Public Licence (LGPL) ist eine Promotionsmassnahme für die weiterhin kommerziell vertriebene Pro-Version. Letztere bietet zustäzlich einen Präsentations-Modus, eine Gantt-Darstellung für Aufgaben, Audio-Anmerkungen und zusätzliche Export-Formate (MindJet MindManager, Microsoft Word, Microsoft PowerPoint, PDF, RTF). Ausserdem kann man mit der Pro-Version Mind Maps auf share.xmind.net publizieren und dabei den Zugriff durch andere Personen beschränken – die Standard-Version bietet zwar ebenfalls eine Upload-Funktion, aber alle Mind Maps sind öffentlich. (Liste aller Unterschiede)

Ist XMind somit eine Crippleware, die mit dem Schlagwort „Open Source“ lediglich Werbung für ein kommerzielles Produkt macht? Ich denke nicht. Auch die freie Standard-Version ist ein ausgesprochen leistungfähiges und schön gemachtes Programm, das man sehr wohl produktiv nutzen kann. Die Zusatzfunktionen der Pro-Versionen sind mehrheitlich verzichtbar bzw. substituierbar. Ausserdem muss man sich von der Idee verabschieden, dass Open Source Software nur von Idealisten für Gotteslohn entwickelt wird bzw. werden soll. Der Verkauf von Zusatzdienstleistungen rund um Open Source Software sichert den Entwicklern ein Auskommen, was wiederum der Qualität der Software zugute kommt. Insofern gehört dem Dualen Lizenzierungs-Modell die Zukunft.

Die Gedanken sind frei: FreeMind Mindmapping Software

Wer eine freie Mindmapping-Software sucht, stösst unweigerlich auf FreeMind. FreeMind ist java-basiert und läuft somit auf allen Plattformen, für die ein Java Runtime Environment verfügbar ist (u.a. Windows, Mac OS X, Linux). Nach einer längeren Entwicklungspause – die letzte stabile Version 0.8 datiert vom September 2005 – ist seit einigen Monaten die Beta-Version 0.9 verfügbar.

Selbstverständlich verfügt FreeMind über die Basisfunktionalität einer jeden Mindmapping-Software: Ausgehend von einem Wurzelknoten kann man einen Baum aufbauen, wobei die einzelnen Knoten, Kanten und Teilbäume frei positioniert und formatiert werden können – definierbare Stilvorlagen und ein Satz von Standard-Icons helfen dabei. Eher spartanisch ist die Auto-Layout-Funktion: Sie kann nur aktiviert oder deaktiviert werden – unterschiedliche Darstellungsformen wie z.B. Sitemaps oder Organigramme fehlen. Um sich auch in grösseren Mindmaps orientieren zu können bietet FreeMind die Option, einzelne Teilbäume per Mausklick ein- und auszublenden oder über definierbare Filterregeln die anzuzeigenden Knoten zu steuern.

Jedem Knoten kann ein Kommentar zugeordnet werden. Da hier ein eigentlicher Text-Editor mit diversen Formatierungsoptionen zur Verfügung steht, kann man in seinem Mindmap auch umfangreichere Texte oder Tabellen unterbringen. Warum man diese Kommentare wahlweise auch im HTML-Format anzeigen und editieren kann, leuchtet allerdings nicht auf Anhieb ein. Ebenfalls pro Knoten können frei definierbare Attribute erfasst werden, die dann als Tabelle unter dem Knoten hängen, aber auch ausgeblendet oder gefiltert werden können. Ein nicht alltägliches Feature, das dann spannend ist, wenn man die Knoten kategorisieren oder gewichten möchte.

FreeMind speichert MindMaps im XML-Format, so dass diese vergleichweise einfach auch mit anderen Applikationen verarbeitet werden können. Der Datenaustausch mit dem Marktführer Mindjet MindManager ist trotzdem etwas umständlich, wie man hier nachlesen kann.

Insgesamt ist FreeMind ein praxistaugliches Tool für Standardaufgaben. Im Details fühlt es sich allerdings oft etwas hakelig und unkonventionell an, und als plattformübergreifende Java-Applikation lässt es betriebssystem-spezifische Konventionen unberücksichtigt (z.B. bei der Gestaltung von Dialogen). Bezüglich Leistungsumfang kann es – trotz einiger spannender Ansätze – nicht mit dem kommerziellen Mindjet MindManager konkurrieren.