GRAMPS: Solides Werkzeug für Genealogen

GRAMPS (Genealogical Research and Analysis Management Programming System) gehört zu den bekanntesten freien Genealogie-Programmen. Es stammt aus der Linux-Welt, kann aber gemäss Angaben auf der Projekt-Homepage auch unter Windows und unter Mac OS betrieben werden; ich selbst habe es unter Ubuntu getestet.

In der Genealogie (Familiengeschichte, Ahnenforschung) geht es darum, biografische Personendaten zu sammeln, inklusive Bilder, Dokumente, Quellenangaben, Links und andere ergänzende Informationen. Der Genealoge verbringt deshalb viel Zeit damit, Daten zu erfassen. Eine gute Software kann diesen Prozess wesentlich unterstützen, wobei mir persönlich folgende Kriterien wichtig erscheinen:

  • Usability: Datenerfassung ist grundsätzlich eine lästige und aufwändige Tätigkeit. Eine durchdachte, attraktive Benutzeroberfläche gestaltet die Arbeit aber angenehmer und effizienter.
  • Datenstruktur: Ein Genealogie-Programm ist letztlich nichts anderes als eine spezialisierte Datenbank mit einer vorgebenen Datenstruktur. Wenn man seine Daten später durchsuchen, auswerten, grafisch darstellen oder exportieren möchte, kann es entscheidend sein, ob ein sinnvolles Datenmodell vorliegt. Zudem müssen auch Mediendateien (Bilder, Audio, Video) vernünftig unterstützt werden.
  • Visualisierung: Ich persönlich kann Informationen wesentlich besser erfassen, wenn sie in geeigneter Form visualisiert sind. Verwandschaftliche Beziehungen werden traditionell als Stammbaum oder Ahnentafel dargestellt. Ein gutes Genealogie-Programm unterstützt nicht nur viele Varianten solcher Stammbäume, sondern lässt auch manuelles Finetuning zu und ergibt ein schönes Druckbild.
  • Online-Anbindung: Dass man eine URL im Sinne einer Quellenangabe speichern kann, ist selbstverständlich. Gute Genealogie-Programme gehen aber einen Schritt weiter, schlagen beispielsweise Begriffe selbständig in Online-Datenbanken nach oder stellen geografische Daten auf Google Maps dar.
  • Import/Export und Berichte: Mit GEDCOM gibt es im Bereich der Familienforschung einen gut etablierten Standard für den Datenaustausch. Import- und Export im GEDCOM-Format ist deshalb Pflicht, allenfalls werden aber auch noch weitere Formate angeboten. Ausserdem kennen Familienforscher diverse Berichtsformen, um genealogische Daten strukturiert auszudrucken.

Gemessen an diesen Massstäben kann sich GRAMPS problemlos im oberen Mittelfeld positionieren. Zunächst ist es leicht zu verstehen, sauber durchkonzipiert und schnell. Die Datenstruktur kann ich nicht abschliessend beurteilen, aber sie scheint mir sauber (im Sinne des Relationalen Datenmodells), detailliert, flexibel und auch für grosse Datenbestände geeignet. Eine besonders ausgeklügelte Medienverwaltung gibt es zwar nicht, aber man kann immerhin nebst Bildern auch Videos referenzieren.

Die Visualisierungsmöglichkeiten für Stammbäume bieten eine gute Grundausstattung, und das Resultat ist ansehnlich, auch wenn keine manuellen Eingriffe möglich sind, da die Stammbäume mit Graphviz generiert werden. Bezüglich Online-Anbindung sollte man nicht zu viel erwarten, dafür ist die Ausstattung in den Bereichen Exporte und Berichte reichhaltig; herausgreifen möchte ich hier die Export-Möglichkeit als komplette Website (vgl. obigen Screenshot). Abgerundet wird der positive Eindruck durch eine gute Dokumentation auf der Projekt-Homepage.

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