Tine 2.0: Die nächste Generation von eGroupWare?

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eGroupWare ist eine der bekanntesten Groupware-Lösungen im Open-Source-Bereich. Sie verfügt über eine grosse Entwicklergemeinde und eine Vielzahl von Installationen. Meiner persönlichen Meinung nach ist die Software allerdings vergleichsweise heterogen und mit Funktionen überladen, was sich negativ auf die Usability auswirkt. Die Ankündigung, dass eine datenkompatible, aber von Grund auf neu programmierte Version 2.0 mit einer zeitgemässen Benutzeroberfläche in Entwicklung sei, hat deshalb spontan mein Interesse geweckt.

Inzwischen hat sich das Entwickler-Team von eGroupWare 2.0 allerdings mit den übrigen Entwicklern überworfen (oder umgekehrt), jedenfalls wird die Software nun unter dem Namen Tine 2.0 unabhängig von eGroupWare weiterentwickelt. Ob dies nun zum Vor- oder zum Nachteil des Projekts ist, kann man zum heutigen Zeitpunkt schwer beurteilen: Tine 2.0 wird sich dadurch freier entfalten und Altlasten hinter sich lassen können, dafür wird die Migration von eGroupWare 1.x auf Tine 2.0 schwieriger werden. Jedenfalls ist Tine bereits der zweite Fork in der Geschichte dieser Software, denn eGroupWare hatte sich seinerseits im Jahr 2003 aus phpGroupeWare abgespalten.

Zum heutigen Zeitpunkt ist der Milestone 2 in der Roadmap von Tine 2.0 erreicht. Verglichen mit dem riesigen Funktionsumfang von eGroupWare ist noch praktisch keine Funktionalität vorhanden – erst die Kontaktverwaltung, das CRM-Modul und eine einfache Task-Liste sind implementiert. Das Interface ist allerdings unvergleichlich moderner, arbeitet im Fullscreen-Modus und fühlt sich an wie eine Desktop-Applikation. Insofern darf man sehr gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt – und ein Blick auf die Demo-Installation lohnt sich schon heute.

Redmine: Project Management Tool für die Software-Entwicklung

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Grundsätzlich kann man Redmine für unterschiedliche Projekttypen nutzen: Diskussionsforum, Wiki, Dokumentenablage oder Ticket-Verwaltung (Issue Tracker) sind elementare Konzepte einer jeden Projektmanagement-Lösung. Trotzdem spürt man, dass die Software in erster Linie für ein Entwickler-Team konzipiert wurde, das eine Anzahl von Tickets abarbeiten muss, um ein neues Software-Release fertigzustellen – nicht zuletzt am integrierten Codebrowser, der ein Subversion-Repository erschliesst.

Redmine ist damit nicht unähnlich zu Trac; während Trac allerdings in Python geschrieben ist, basiert Redmine auf Ruby on Rails. Da das Rails-Framework bei gängigen Hosting-Paketen meist nicht enthalten ist, ist es nicht ganz einfach, Redmine produktiv zu betreiben. Über einen BitName-Stack kann man es aber immerhin problemlos lokal testen.

Insgesamt wirkt Redmine sehr durchdacht, übersichtlich und sauber umgesetzt. Dass das Entwickler-Team von TYPO3 Version 5 ebenfalls mit Redmine arbeitet, dürfte dessen Popularität weiter Vorschub leisten. Das Tool gehört auf jede Shortlist wenn es darum geht, einen Issue Tracker mit integrierter Projektmanagement-Funktionalität zu evaluieren. Redmine unterliegt der GNU General Public Licence (GPL) und setzt nebst Ruby on Rails eine MySQL-Datenbank voraus.

Studie: Web-basierte Kollaborations-Plattformen mit Open-Source-Lizenz

image Das Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat in einer Studie web-basierte Open-Source-Kollaborationsplattformen analysiert. Nach einem allgemeinen Teil, der die Möglichkeiten von Software zur Zusammenarbeit in Unternehmen und Organisationen beleuchtet und Grundlagen zum Thema Open Source vermittelt, werden die folgenden Projekte vorgestellt und bewertet: OpenGroupware, Open-Xchange, Simple Groupware, phpGroupWare, NullLogic Groupware, IGSuite, more.groupware, Silk, Plone, netOffice, dotProject, WebCollab, Scalix und Kolab. Auch wenn diese Liste sicher nicht vollständig ist und teilweise recht unterschiedliche Produkte miteinander verglichen werden, so zeigt die Studie doch die Vielfalt der Projekte und gibt einen guten Raster vor, an dem weitere Projekte gemessen werden können. Die Studie kann als PDF-Dokument kostenlos unter http://smmart.iao.fraunhofer.de/download.php heruntergeladen werden. 

Mindquarry: Collaboration Software mit ungewöhnlichen Ansätzen

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Mindquarry versteht sich selbst als «The Open Source Collaboration Software». Konzeptionell verwandt mit Lösungen wie ProjectPier, ActiveCollab oder Basecamp hat es einige interessante Besonderheiten. Zunächst basiert es technologisch weder auf PHP noch auf Ruby on Rails, sondern auf Java (J2EE). Dies wiederum macht es möglich, neben der web-basierten Server-Software auch noch eine (optionale) Client-Software anzubieten, die ebenfalls in Java programmiert ist und somit unter Windows, Mac OS X und Linux läuft. Mit diesem Client kann man auch offline arbeiten – dem haben die oben erwähnten Konkurrenten nichts entgegenzusetzen. Ausserdem ist die Timeline hervorzuheben, die nicht etwa zur Visualisierung des Projektplans im Stil eines Gantt-Charts dient, sondern einen intuitiven Zugriff auf frühere Versionen aller Daten bietet.

Auch Mindquarry beschränkt sich auf einige grundlegende Konzepte, um die Hürde für alle Anwender niedrig zu halten. Im wesentlichen gibt es Teams (und deren Members), Files (und Folders), Wikis (um gemeinsam Texte zu entwickeln und miteinander zu kommunizieren) sowie Tasks. Abgesehen davon, dass Tasks ein Fälligkeitsdatum haben können, gibt es keine Zeit- oder Ressourcenplanung – Mindquarry ist also wirklich eine Collaboration Software, aber kein Project Management Tool. Optisch kommt die Software farbenfroh daher, und es fällt der grosszügige (um nicht zu sagen: verschwenderische) Umgang mit Bildschirmfläche auf.

Mindquarry unterliegt der Mozilla Public Licence. Ein Versuch, die Software im Dualen Modell auch als kostenpflichtiges Produkt (als Hosted Service und mit professionellem Support) anzubieten, ist offenbar vor kurzem gescheitert, da sich die Geldgeber vom Projekt zurückgezogen haben.

ProjectPier: ActiveCollab als Open-Source-Projekt weitergeführt

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Wie bereits berichtet hat der Entwickler der Projektmanagement-Lösung ActiveCollab beschlossen, sein einstiges Open-Source-Projekt zu kommerzialisieren (vgl. Richtungswechsel: activeCollab wird kommerzialisiert). Ein internationales Team von Entwicklern hat darauf beschlossen, den Code der letzten freien Version 0.7.1 in ein neues Projekt zu überführen und unter dem Namen ProjectPier weiter zu entwickeln. Mit dem Release 0.8 steht die PHP-Software nun erstmals der Community zur Verfügung.

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Anders als andere Projektmanagement- und Extranet-Lösungen arbeitet ProjectPier mit sehr einfachen, aber universellen Konzepten: Nachrichten, Aufgabenlisten, Milestones (Endtermine) und Dateien. Hinzu kommen Benachrichtigungs-, Tagging- und Kommentarfunktionen, wie sie im Web 2.0 üblich sind.

Bei ProjectPier stehen Einfachheit und Usability im Zentrum. Trotzdem handelt es sich um eine leistungsfähige Lösung mit Mandantenfähigkeit, die beliebig viele Projekte von unterschiedlichen Organisationen verwalten kann und ein dreistufiges Rechte-Management bietet. ProjectPier eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen bzw. Communities und liegt in über einem Dutzend Sprachen vor.

ProjectPier unterliegt der Honest Public Licence (HPL). Technische Voraussetzungen sind PHP5 und MySQL (mit InnoDB).

Disclosure: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied des ProjectPier-Teams.

OpenProj: Open-Source-Alternative zu Microsoft Project

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OpenProj heisst ein neues Projektmanagement-Programm mit Open-Source-Lizenz, das sich explizit als Alternative zu Microsoft Project bezeichnet und damit auch in Konkurrenz zu GanttProject (vgl. GanttProject: Projektplanung für alle Betriebssysteme) und Open Workbench steht.

Als Java-Applikation läuft OpenProj auf allen gängigen Betriebssystemen (Windows, Mac OS X, Linux) – mit dem kleinen Nachteil, dass es sich nirgends als 100prozentig native Software anfühlt. Die Benutzeroberfläche ist sehr stark an Microsoft Project angelehnt, und auch bestehende Dateien im MS-Project-Format können mit OpenProj bearbeitet werden.

Insgesamt macht OpenProj einen sehr guten Eindruck, besonders im Vergleich zu den beiden Open-Source-Alternativen: Es ist leistungsfähiger als GanttProject und läuft im Gegensatz zu Open Workbench nicht nur unter Windows. Obwohl erst gerade als Open Source freigegeben wirkt das Programm sehr reif – was daran liegt, dass OpenProj aus dem kostenpflichtigen Project-On-Demand von Projity hervorgegangen ist.

In einem gewissen Sinn ist OpenProj natürlich Werbung für diesen Dienst: Wer irgendwann an die Grenzen einer Einzelplatz-Projektmanagement-Lösung stösst und online im Team planen will, wird zwangsläufig auf Project-On-Demand wechseln, mit dem Projity sein Geld verdient. Dazu passt, dass Projity die Software unter der Common Public Attribution License (CPAL) veröffentlich hat, die erst kürzlich von der Open Source Initiative OSI zertifiziert wurde. Die – nicht ganz unumstrittene – CPAL kann dem Benutzer vorschreiben, beim Einsatz einer Software nicht nur im Quelltext, sondern auch an gut sichtbarer Stelle auf die Herkunft des Codes zu verweisen (vgl. Anhang B).

Das Beispiel zeigt sehr schön, dass Open Source Software längst nicht immer ein Produkt von Enthusiasten und Idealisten ist, sondern zunehmend auch als Marketing-Instrument eingesetzt wird. An der Qualität von OpenProj ändert das allerdings nichts: Die Open-Source-Welt ist damit um ein attraktives Programm in einem bisher eher spärlich bestückten Anwendungsgebiet reicher geworden.

Richtungswechsel: activeCollab wird kommerzialisiert

Vor rund 2 Monaten habe ich an dieser Stelle die web-basierte Projektmanagement-Software activeCollab vorgestellt (vgl. ActiveCollab: Die Open-Source-Version von Basecamp). Inzwischen ist der Entwickler Ilija Studen dem Beispiel von 37signals gefolgt: Er will das nächste Release 1.0 nicht mehr unter einer Open-Source-Lizenz freigeben, sondern eine Firma gründen, die nebst einer kostenlosen Version für Privatpersonen und Non-Profit-Organisationen auch eine kostenpflichtige Businessversion anbietet.

Die Community zeigte sich über diese Entscheidung mehrheitlich enttäuscht, wie den Kommentaren zur offiziellen Ankündigung zu entnehmen ist. In einer nachgeschobenen Erklärung bemühte sich Studen zwar, gewisse Befürchtungen zu zerstreuen. Auch scheint noch nicht jedes Detail geklärt zu sein. Aber es ist zumindest klar, dass activeCollab in Zukunft keine Open Source Software mehr sein wird:

«We will make sure that developers get access to the source code, but that does not mean that it will be available under the terms of classic open source licenses such is GPL, LGPL, MPL… There are a lot of communities that work this way – vBulletin, IPB, Expression Engine etc. Developers have all the resources they need to develop their own functionality on top of the system, but the system itself is still the property of company who develops it.«

GanttProject: Projektplanung für alle Betriebssysteme

Dieser Artikel wurde letztmals am 29.08.2007 aktualisiert.

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Die Open Source Software GanttProject hat ihren Namen vom Gantt-Diagramm, also dem Balkendiagramm, das in der Projektplanung häufig eingesetzt wird. Zusätzlich bietet das Programm eine Ressourcen-Ansicht sowie ein PERT-Diagramm.

GanttProject kann alles, was man für ein nicht allzu komplexes Projekt braucht, und ist doch angenehm schlank. Wer schon einmal mit Microsoft Project gearbeitet hat, findet sich innert Minuten zurecht und muss keinen einzigen Blick in die Dokumentation werfen. Natürlich sind die beiden Programme nicht wirklich vergleichbar – aber ein Grossteil der Projektpläne, die man in der Praxis antrifft, nutzen das Potential von MS Project in keiner Weise aus und könnten genau so gut mit GanttProject erstellt werden.

Folgende Punkte sind ausserdem hervorzuheben:

  • Das Programm beherrscht den Datenaustausch mit MS Project sowie mit Tabellenkalkulationsprogrammen.
  • GanttProject ist in Java programmiert und läuft dadurch auf jedem Betriebssystem, für das es eine Java-Laufzeitumgebung gibt (Windows, Mac OS X, Linux u.a.).
  • Für einen ersten Test gibt es eine leicht reduzierte Version (kein HTML/PDF Export, kein MS Project Import/Export), die über Java WebStart ohne jegliche Installation direkt gestartet werden kann.

Nachtrag: Die Zeitschrift c’t hat in der Ausgabe 13/2007 (Dr. Mey Mark Meyer: Alles auf dem Schirm – Programme für das Einzelprojektmanagement. S. 158-165) 10 Programme für das Einzelprojektmanagement getestet. GanttProject hat dabei am schlechtesten abgeschnitten. Kritisiert wurden insbesondere ungenügende Möglichkeiten bei Termineinschränkungen und Mängel bei der Ressourcenplanung.

ActiveCollab: Die Open-Source-Version von Basecamp

Basecamp ist eine populäre Project Management & Collaboration Platform von 37signals und zugleich der Ursprung des Frameworks Ruby on Rails (vgl. Ruby on Rails: Version 1.2 veröffentlicht). Während aber Ruby on Rails als Open Source freigeben ist, kostet Basecamp Geld.

Anders ActiveCollab von Ilija Studen: Die Applikation ist zwar in PHP geschrieben, orientiert sich aber ziemlich unverholen an Basecamp und ist unter der Honest Public License HPL (einer modifizierten Variante der GNU General Public License – Dokumentation der Unterschiede) freigegeben. Noch fehlen zwar einige Features von Basecamp, etwa das Time Tracking, Plug-Ins, eine API oder die AJAX-Benutzeroberfläche, doch sind diese bis zur Version 1.0 geplant. Bereits in der aktuellen Version 0.7.1 macht die Software einen sehr runden Eindruck und überzeugt durch eine ausgesprochen saubere und attraktive Benutzeroberfläche.

ActiveCollab verwaltet beliebig viele Kunden (d.h. Firmen), Benutzer (eigene Mitarbeiter sowie Mitarbeiter der Kunden), Projekte, Aufgaben innerhalb dieser Projekte und Meilensteine (die mit Aufgaben gekoppelt werden können). Zudem ist eine einfache Dokumentenverwaltung integriert. Eine Mitteilungssektion ermöglicht es den Projektmitarbeitern, Informationen auszutauschen, ähnlich einem Mini-CMS oder Blog, wobei auch eine Kommentarfunktion vorhanden ist. Aufgaben, Meilensteine, Dokumente und Mitteilungen können mit Tags gekennzeichnet werden, damit man über die Bereiche hinweg rasch zusammengehörende Informationen finden kann. Ein Benachrichtigungssystem per E-Mail rundet das Angebot ab.

Der Name ActiveCollab ist insofern gut gewählt, als die Software ihre Stärken im Bereich der Zusammenarbeit hat: Informationen und Dokumente auszutauschen geht mit ActiveCollab wunderbar. Im Bereich des Projekt-Managements stösst man allerdings irgendwann an Grenzen: Eine Aufgabenliste mit einigen Milestones zu führen reicht zwar in der Praxis oft aus und hat den Vorteil, dass es die Mitglieder eines Projekt-Teams nicht überfordert. Professionelles Projekt-Management braucht aber auch Tools für die Termin-, Ressourcen- und Budgetplanung, und solche kann ActiveCollab nicht bieten. Darin folgt es der Philosophie seines Vorbilds, schreibt doch 37signals in ihrem Blog:

«We’d rather our customers grow out of our products eventually than never be able to grow into them in the first place.»