OpenGoo 1.2: Konsequente Weiterentwicklung

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Eines muss man den Entwicklern von OpenGoo lassen: Sie ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Nach der (aus meiner Sicht etwas verfrühten) Veröffentlichung von OpenGoo 1.0 im letzten November wurde bereits anfangs Jahr die deutlich gereifte Version 1.1 freigegeben, und nach weniger als zwei Monaten liegt nun die Version 1.2 mit vielen substantiellen Verbesserungen vor. Details sind dem OpenGoo Blog sowie den Relase Notes zu entnehmen – hier nur die wichtigsten Highlights in Stenogramm-Form:

  • Der Dateimanager kann nun ZIP-Archive direkt auf dem Server erstellen und entpacken. Auf diese Weise kann man eine grössere Anzahl von Dateien in einem einzigen Arbeitsgang hoch- bzw. herunterladen. Zudem wurde eine Kopierfunktion für Dateien eingebaut.
  • Kontakte und Kalenderdaten können nun im CSV- bzw. im iCalendar-Format importiert und exportiert werden.
  • Die Anzahl der frei definierbaren Felder (sog. Custom Properties) ist nun unbeschränkt, und bereits erfasste Einträge in diesen Feldern werden in der Detailansicht besser dargestellt.
  • Tags können endlich sortiert werden (alphabetisch oder nach Anzahl der Objekte pro Tag).
  • Das E-Mail-Modul wurde wesentlich weiterentwickelt. So werden nun SSL-Verbindungen und IMAP-Server unterstützt, E-Mail-Nachrichten können mehreren Workspaces zugewiesen werden, und es sind Kommentare zu Nachrichten möglich.
  • Eine OpenGoo-Installation kann in Zukunft per Knopfdruck aktualisiert werden (so wie man dies beispielsweise von WordPress 2.7 kennt). Natürlich steht diese Funktion nur Administratoren zur Verfügung.
  • Falls man nicht alle Funktionen braucht, so kann man nun alle Module einzeln ein- oder ausblenden. Insbesondere für einfachere Projekte oder für weniger geübte Benutzer macht dies den Umgang mit OpenGoo deutlich einfacher. Zu beachten ist allerdings, dass diese Einstellung global (für alle Workspaces und alle Benutzer) gilt.
  • Der einzelne Benutzer kann nun seine persönlichen Präferenzen wesentlich detaillierter einstellen. Dazu gehört unter anderem auch die Sprache, wobei derzeit ein Dutzend Sprachen zur Auswahl stehen (u.a. auch Deutsch).

Das Update geht übrigens ausgesprochen komfortabel vor sich: Man kopiert ganz einfach alle Files der Version 1.2 über die bestehende Installation und ruft anschliessend /public/upgrade auf, um die Ursprungs- und die Zielversion festzulegen – der Rest geht vollautomatisch.

Fazit: Auch mit diesem Update haben die Entwickler wieder ein gutes Gespür für wirklich wesentliche Features bewiesen. Die Version 1.2 ist ein wichtiger Meilenstein und macht eine bereits sehr gute Software nochmals deutlich besser.

Disclosure: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied des OpenGoo-Teams.

Gobby: Gemeinsam Textdateien bearbeiten

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Es gibt ganz unterschiedliche Lösungen, wenn mehrere, räumlich getrennte Personen gemeinsam einen Text bearbeiten wollen.

Da wäre beispielsweise der Überarbeitungsmodus von Textverarbeitungen zu nennen, der jede Änderung in einem Dokument protokolliert. Auf diese Weise lassen sich die Beiträge der einzelnen Autoren auseinanderhalten, akzeptieren oder verwerfen und (falls mehrere Versionen eines Dokuments existieren) zusammenführen. Dieses Prinzip eignet sich insbesondere dann, wenn es nicht nur um rohen Text, sondern um formatierte Dokumente geht und wenn die Autoren bei der Arbeit nicht immer online sein wollen. Zumindest diejenige Person, welche das Dokument am Schluss bereinigt, muss allerdings fortgeschrittene Anwenderkenntnisse besitzen.

Ein anderer Ansatz sind Wikis, welche ebenfalls jede Änderung festhalten. Im Unterschied zu Textverarbeitungen braucht es allerdings niemanden, der am Schluss den Text redigiert: Es gilt ganz einfach immer die letzte Version, und das Änderungsprotokoll dient lediglich dazu, alle Änderungen inkl. ihre Urheber anzuzeigen und im schlimmsten Fall rückgängig zu machen. Wikis sind Server-Applikationen, somit ist die aktuellste Version des Texts immer für alle Autoren verfügbar; dafür muss man immer online sein, und nicht alle Wikis bieten den Komfort von WYSIWYG-Editoren.

Ein drittes Konzept sind Programme, welche das kollaborative Schreiben in Echtzeit über LAN- oder Internet-Verbindungen erlauben. Nebst den kommerziellen Vertretern dieser Gattung wie MoonEdit oder SubEthaEdit gibt es auch eine entsprechende Open Source Software: Gobby. Hauptanwendungsgebiet solcher Texteditoren ist die gemeinsame Arbeit an Programmcode, aber natürlich kann man damit auch normale Texte schreiben – einfach ohne Formatierung.

Das Prinzip ist rasch erklärt (vgl. Screenshot): Nehmen wir an, ich arbeite an einem PHP-Skript und brauche dabei Unterstützung. Ich starte Gobby und eröffne eine Sitzung, wobei ich ein Passwort vergeben kann, falls ich den Zugang für andere Personen beschränken will. Nun fungiert mein Rechner als Host, und andere Personen können an der Sitzung teilnehmen.

Ich öffne die PHP-Datei, die ich bearbeiten möchte, und lade (z.B. über E-Mail oder Telefon) Max Muster ein, wobei dieser nur die IP-Adresse meines Rechners und allenfalls das Passwort wissen muss. Max startet ebenfalls Gobby, wählt die Funktion «Sitzung beitreten» und kann dann ebenfalls auf die PHP-Datei zugreifen. Wir können nun gleichzeitig Änderungen vornehmen, wobei über Farbmarkierung jederzeit klar ist, wer was eingegeben hat. Sofern man nicht sowieso per Telefon oder Chat in Verbindung steht, bietet Gobby eine integrierte Chat-Applikation, über die man miteinander diskutieren kann.

Wie gesagt: Das Prinzip ist rasch erklärt, und es ist bestechend. In der Praxis gibt es allerdings noch die eine oder andere Hürde zu meistern. So ist Gobby spürbar eine Linux-Applikation – unter Windows muss man GTK+ installieren, für den Mac muss man auf MacPorts zurückgreifen. In der Anwendung sind insbesondere die Angabe der korrekten IP und die Freischaltung der von Gobby benutzten Ports in der Firewall kritische Punkte. Wenn die Verbindung aber einmal steht, ist die Zusammenarbeit sehr einfach und ausgesprochen effizient.

(via T3N)

Tine 2.0: Die nächste Generation von eGroupWare?

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eGroupWare ist eine der bekanntesten Groupware-Lösungen im Open-Source-Bereich. Sie verfügt über eine grosse Entwicklergemeinde und eine Vielzahl von Installationen. Meiner persönlichen Meinung nach ist die Software allerdings vergleichsweise heterogen und mit Funktionen überladen, was sich negativ auf die Usability auswirkt. Die Ankündigung, dass eine datenkompatible, aber von Grund auf neu programmierte Version 2.0 mit einer zeitgemässen Benutzeroberfläche in Entwicklung sei, hat deshalb spontan mein Interesse geweckt.

Inzwischen hat sich das Entwickler-Team von eGroupWare 2.0 allerdings mit den übrigen Entwicklern überworfen (oder umgekehrt), jedenfalls wird die Software nun unter dem Namen Tine 2.0 unabhängig von eGroupWare weiterentwickelt. Ob dies nun zum Vor- oder zum Nachteil des Projekts ist, kann man zum heutigen Zeitpunkt schwer beurteilen: Tine 2.0 wird sich dadurch freier entfalten und Altlasten hinter sich lassen können, dafür wird die Migration von eGroupWare 1.x auf Tine 2.0 schwieriger werden. Jedenfalls ist Tine bereits der zweite Fork in der Geschichte dieser Software, denn eGroupWare hatte sich seinerseits im Jahr 2003 aus phpGroupeWare abgespalten.

Zum heutigen Zeitpunkt ist der Milestone 2 in der Roadmap von Tine 2.0 erreicht. Verglichen mit dem riesigen Funktionsumfang von eGroupWare ist noch praktisch keine Funktionalität vorhanden – erst die Kontaktverwaltung, das CRM-Modul und eine einfache Task-Liste sind implementiert. Das Interface ist allerdings unvergleichlich moderner, arbeitet im Fullscreen-Modus und fühlt sich an wie eine Desktop-Applikation. Insofern darf man sehr gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt – und ein Blick auf die Demo-Installation lohnt sich schon heute.

Studie: Web-basierte Kollaborations-Plattformen mit Open-Source-Lizenz

image Das Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat in einer Studie web-basierte Open-Source-Kollaborationsplattformen analysiert. Nach einem allgemeinen Teil, der die Möglichkeiten von Software zur Zusammenarbeit in Unternehmen und Organisationen beleuchtet und Grundlagen zum Thema Open Source vermittelt, werden die folgenden Projekte vorgestellt und bewertet: OpenGroupware, Open-Xchange, Simple Groupware, phpGroupWare, NullLogic Groupware, IGSuite, more.groupware, Silk, Plone, netOffice, dotProject, WebCollab, Scalix und Kolab. Auch wenn diese Liste sicher nicht vollständig ist und teilweise recht unterschiedliche Produkte miteinander verglichen werden, so zeigt die Studie doch die Vielfalt der Projekte und gibt einen guten Raster vor, an dem weitere Projekte gemessen werden können. Die Studie kann als PDF-Dokument kostenlos unter http://smmart.iao.fraunhofer.de/download.php heruntergeladen werden.