E-Forge: Open Source Community für die Schweizer Kantone

Wie die Netzwoche heute meldet, plant die Bedag Informatik eine Plattform namens E-Forge, welche Open Source Software für das E-Government bereitstellen und den Schweizer Kantonen vorbehalten bleiben soll. Träger wäre ein Verein, Betreiberin die Bedag Informatik. Der Start der Plattform sei für den Sommer geplant, verbindliche Zusagen von teilnehmenden Kantonen gebe es allerdings noch keine.

Da es im Moment noch nicht viel mehr konkrete Informationen gibt, ist es schwierig, diese Meldung zu beurteilen. Die öffentliche Hand gehört traditionellerweise zu den Vorreitern im Bereich der Open Source Software – insofern macht eine solches Projekt Sinn. Dass allerdings eine Open-Source-Plattform als Closed Usergroup betrieben wird, mutet seltsam an. Möglicherweise soll damit sichergestellt werden, dass sich alle Nutzniesser auch an den Kosten beteiligen – aber eine Community «nach dem Vorbild von Sourceforge» (O-Ton des Netztickers) wird man auf diesem Weg ganz sicher nicht schaffen.

Origo: Macht die ETH Zürich Sourceforge Konkurrenz?

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Als Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Software Engineering an der ETH Zürich ist dieser Tage die Software Development Platform Origo online gegangen. Origo selbst ist Open Source Software, die gehosteten Software-Projekte können aber sowohl Open Source als auch Closed Source sein. Zum Funktionsumfang der Plattform gehören klassische Komponenten wie Issue Tracker, Forum oder File Repository. Hervorzuheben sind die Plug-Ins, dank denen man aus einer Entwicklungsumgebung (z.B. Eclipse) heraus direkt auf Origo zugreifen kann.

Ob Origo allerdings wirklich eine Konkurrenz zu Sourceforge werden kann und will, wie das bei heise.de zu lesen ist, wird sich wohl noch zeigen müssen. Die Macher von Origo waren jedenfalls ziemlich überrascht von der Resonanz, die ihr Projekt erfahren hat, und was man derzeit auf der Plattform findet sind vor allem Demo-Projekte.

Was ein Open Source Entwickler mit einem Bäcker gemeinsam hat und wie SourceForge in Zukunft seine Brötchen verdienen will

Ein Freund, der bei einem grossen Software-Hersteller arbeitet, meinte heute sinngemäss: Open Source Software existiere nur deshalb, weil sie entweder von staatlich bezahlten Wissenschaftern oder von sich selbst ausbeutenden Enthusiasten geschrieben werde. Müsste Open Source Software unter normalen ökonomischen Bedingungen entwickelt werden, würde sie rasch verschwinden. Es sei zudem nur legitim, dass man Investitionen in Forschung und Entwicklung – egal ob man nun ein Medikament oder eine Software entwickle – über das resultierende Produkt finanziere und dass man dieses Einkommen durch Patente und Lizenzbestimmungen schütze. Und schliesslich funktioniere das Open-Source-Prinzip sowieso nur bei digitalisierten Daten, da nur diese sich ohne Aufwand und ohne Verlust beliebig multiplizieren liessen, das Prinzip lasse sich also nicht auf die gesamte Wirtschaft übertragen.

Bei den klassischen Open-Source-Projekten trifft das wahrscheinlich zu: Sie ernähren die Entwickler nicht direkt (es sei denn durch Spenden, was ich aber nicht als Businessmodell gelten lassen würde). Es gibt aber auch prominente Beispiele für das, was ich als duales Modell bezeichnen würde: Dieselbe Open Source Software wird sowohl kostenfrei (aber ohne Support) also auch kostenpflichtig (dafür mit professionellem Support) angeboten – nehmen wir MySQL als Beispiel. Dieses Modell generiert Income, allerdings zahlt der Kunde nicht für die Nutzung des geistigen Eigentums, sondern für die Dienstleistung. Nach diesem Prinzip funktionieren übrigens auch andere Bereiche der Wirtschaft: Wir zahlen dem Bäcker keine Lizenzgebühr für sein Zopfrezept, sondern wir zahlen das Material und die Zeit, welche in einem Zopf stecken. Das Zopfrezept ist Allgemeingut, und jeder kann seinen Zopf selbst backen, wenn er den Aufwand nicht scheut.

Natürlich ist es legitim, seine Investitionen in Forschung und Entwicklung zu schützen, indem man seine Urheberschaft durch juristische Massnahmen absichert und kommerzialisiert. Gerade in der Software-Industrie gibt es allerdings zahlreiche Beispiele dafür, wie Unternehmen mit Patenten Konzepte schützen liessen, welche nicht das Resultat ihrer eigenen Anstrengungen waren, sondern Allgemeingut – vgl. etwa den Beitrag Software-Patente des Jahres 2006 ausgezeichnet. Open Source Software ist somit eine Gegenbewegung zur Privatisierung von Informatikkonzepten; sie ist aber keine prinzipielle Absage an ökonomische Prinzipien.

Dass das duale Modell an Bedeutung gewinnen könnte zeigt das Beispiel von SourceForge: Derzeit läuft ein Mitgliederbefragung, mit der ganz offensichtlich sondiert werden soll, ob es die Nutzer der Plattform akzeptieren oder gar begrüssen würden, wenn auf www.sourceforge.net ein Marktplatz für kostenpflichtigen Support von Open Source Software entstehen würde.