Ist Open Source Software reif für ein Schweizer KMU?

Matthias Stürmer, einer der aktivsten Verfechter von Freier Software in der Schweiz, ist seit kurzem als Senior Consultant bei Ernst & Young tätig. In dieser Funktion hat er im September 2010 zur Lancierung von Open Work Place ein Referat gehalten, in dem es um die Eignung von Open Source Software für kleine und mittlere Unternehmen geht. Die gehaltvollen und schön gestalteten Slides sind auch online verfügbar und lohnen sich insbesondere auch wegen der zahlreichen Studien zu freier Software, die hier aufgelistet werden.

10 populäre Open Source CMS im Überblick

imageContentmanager.de ist eine der führenden Websites im deutschsprachigen Raum, wenn es um Evaluation und Einsatz von Contentmanagement-Systemen geht. Die Plattform hat kürzlich ein E-Book herausgegeben, das eine Auswahl der wichtigsten Open Source CMS vorstellt (auch wenn der Zusatz “Open Source” im Titel irgendwie vergessen gegangen ist). Folgende Produkte werden auf jeweils einem halben Dutzend Seiten beschrieben: Drupal, Joomla!, TYPO3, TYPOlight, OpenCMS, Basecamp, CMS Made Simple, PostNuke, AxCMS.net und eZ Publish. Das E-Book kann gegen Angabe einer E-Mail-Adresse auf www.contentmanager.de kostenlos heruntergeladen werden.

Studie: Web-basierte Kollaborations-Plattformen mit Open-Source-Lizenz

image Das Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat in einer Studie web-basierte Open-Source-Kollaborationsplattformen analysiert. Nach einem allgemeinen Teil, der die Möglichkeiten von Software zur Zusammenarbeit in Unternehmen und Organisationen beleuchtet und Grundlagen zum Thema Open Source vermittelt, werden die folgenden Projekte vorgestellt und bewertet: OpenGroupware, Open-Xchange, Simple Groupware, phpGroupWare, NullLogic Groupware, IGSuite, more.groupware, Silk, Plone, netOffice, dotProject, WebCollab, Scalix und Kolab. Auch wenn diese Liste sicher nicht vollständig ist und teilweise recht unterschiedliche Produkte miteinander verglichen werden, so zeigt die Studie doch die Vielfalt der Projekte und gibt einen guten Raster vor, an dem weitere Projekte gemessen werden können. Die Studie kann als PDF-Dokument kostenlos unter http://smmart.iao.fraunhofer.de/download.php heruntergeladen werden. 

EU-Studie: Die ökonomische Bedeutung von Open Source Software

“Study on the economic impact of open source software on innovation and the competitiveness of the Information and Communication Technologies (ICT) sector in the EU” heisst das Papier mit vollem Namen, das an der Universität Maastricht (UNU-MERIT) zuhanden der Europäischen Komission erarbeitet wurde. Die folgenden Erkenntnisse scheinen mir besonders erwähnenswert:

  • Bei den Betriebssystemen ist der Marktanteil von Free/Libre/Open Source Software (FLOSS) in Europa höher als in den USA. Europa ist zudem weltweit führend was den Einsatz von freier Software im öffentlichen Bereich betrifft.
  • Zwei Drittel der Open Source Software wird von Individuen programmiert, nur hinter einem Drittel stehen Unternehmen oder Organisationen. Bei internationalen FLOSS-Projekten stellt Europa einen überdurchschnittlichen Anteil der Projektleiter. Gemessen an der PC-Dichte gibt es überdurchschnittlich viele FLOSS-Entwickler in Zentraleuropa und Skandinavien.
  • Grosse FLOSS-Unternehmen stammen mehrheitlich aus den USA, kleinere und mittlere mehrheitlich aus Europa.
  • Der Wert der heute existierenden qualitatitiv hochwertigen Open Source Software wird auf 12 Milliarden Euro geschätzt. Darin stecken 130’000 Mannjahre (meist unbezahlte) Programmierarbeit. Dank Open Source Software spart die europäische Wirtschaft einen Drittel der Kosten für Software-Entwicklung, die sie anderweitig investieren kann.
  • Die Menge an FLOSS-Code verdoppelt sich alle 18 bis 24 Monate.
  • Bis im Jahr 2010 dürften Open Source Software bzw. darauf aufbauende Dienstleistungen einen Drittel der IT-Industrie ausmachen.
  • Open Source Software fördert die Gründung von KMUs und stärkt dadurch die europäische Software-Industrie, die mangels Risikokapital und Risikobereitschaft insgesamt schwächer ist als in den USA.

Betrachtet man Open Source Software primär unter dem Aspekt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, so kommt die Studie zu folgendem Schluss:

“Europe’s strengths regarding FLOSS are its strong community of active developers, small firms and secondary software industry; weaknesses include Europe’s generally low level of ICT investment and low rate of FLOSS adoption by large industry compared to the US.”

Die Studie empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, bestehende Benachteiligungen von Open Source Software zugunsten von proprietärer Software abzubauen. Interessant scheint mir dabei der Vorschlag, die Entwicklung von Open Source Software als gemeinnützige Leistung zu würdigen und – ähnlich wie Spenden – steuerlich zu begünstigen.

Die Studie umfasst 287 Seiten und kann auf der Website der Europäischen Kommission im PDF-Format heruntergeladen werden.

CMS Benchmark: Gute Resultate für TYPO3, eZ Publish, Umbraco und Zope

In der CMS & Portal Benchmark Analysis 2006/2007 der dänischen BNP Consulting haben vier Open Source CMS gute Resulate erzielt. So wurde TYPO3 in der Kategorie “Community” als Leader (= Platz 1) und in den Kategorien “Development Environment” sowie “Focus on third party development” als Challenger (= Platz 2) erkoren. Auch eZ Publish errang eine Goldmedaille, und zwar in der Kategorie “Customisation”. Umbraco brachte es auf einen 2. Platz in der Kategorie “Integration”, Zope schafft dasselbe in der Kategorie “Customisation”. Insgesamt wurden 38 Produkte in 14 Kategorien bewertet.

Mehr zum Thema:

Wie Freie Software und Internet das Urheberrecht herausfordern

In Ihrer Dissertation Copyright & Copyriot untersucht Sabine Nuss, wie die Open-Source-Bewegung auf der einen und das File Sharing auf der anderen Seite das bisherige Verständnis von Urheberrecht in Frage stellen:

“Verbinden die einen mit einer restriktiven Eigentumssicherung im Netz (Copyright) Wachstum und Wohlstand, so fordern die anderen ein weniger restriktives Copyright-Regime zugunsten des Allgemeinwohls. Wiederum andere betrachten den teilweise mittlerweile illegalisierten freien Informationsfluss oder alternative Lizenzen im Internet (Copyriot) als subversiv und wollen damit über die bestehenden Herrschaftsverhältnisse hinaus.”

Das Buch ist im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienen.

Öffentliche Hand als Wegbereiter für Open Source Software

Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat eine Studie über Freie Software veröffentlicht: “Open Source Software – Strukturwandel oder Strohfeuer?” Diese Studie streicht drei Aspekte hervor:

  1. Open Source Software kann zu erheblichen Einsparungen führen – sowohl in der Privatwirtschaft als auch in der öffentlichen Verwaltung.
  2. In der öffentliche Verwaltung ist das Interesse an Open Source Software besonders gross.
  3. Bei Aufträgen im Zusammenhang mit Open Source Software kommen häufig kleine und mittlere Unternehmen zum Zug.

Die Studie ist im PDF-Format verfügbar (Management Summary und ausführliche Version).

Ältere Beiträge zum Thema:

Studie über Freie Software in der Schweiz

Anfangs Oktober wurde die aktuelle FOSS Studie Schweiz veröffentlicht. Die von SwissICT und /ch/open in Auftrag gegebene Studie untersucht die Verbreitung von Freier und Open Source Software (FOSS) in 300 befragten Unternehmen. Im Vergleich zu einer im Jahre 2003 durchgeführten Studie glauben heute die Verantwortlichen, dass mit Freier Software IT-Kosten gesenkt werden können, dass die Verfügbarkeit von FOSS-Dienstleistungen gestiegen ist und dass sich generell der Unternehmenseinsatz von FOSS verbessert hat. Die Studie kann auf der Website der Swiss Open Systems User Group als PDF heruntergeladen werden.

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