Archiv der Kategorie 'Big Brother'

It’s Time to Say Goodbye

Montag, den 31. Dezember 2007

Gut drei Jahre habe ich hier gebloggt. Es waren drei gute Jahre: Ich habe viel gelernt, bin auf viele neue Ideen gekommen, hatte einige tausend Besucher pro Monat und insgesamt viel Freude an meinem Blog.

Andererseits: Ein Blog zu schreiben ist Arbeit, und davon habe ich eigentlich mehr als genug. Und gemäss meinem Vorsatz für 2008, die Zahl meiner Projekte drastisch zu reduzieren, werde ich dieses Blog per 1.1.2008 stillegen. Nicht löschen, nicht schliessen, aber stillegen. Mindestens einen Monat, vielleicht auch ein Jahr, möglicherweise für immer – but never say never again.

Happy New Year!

YouTube für Menschenrechte

Sonntag, den 11. November 2007

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Dass man mit den beiden Medien Video und Internet mehr machen kann als nur lustige Werbespots, schlüpfrige Schnappschüsse und nichtssagende Video-Blogs zu verbreiten, zeigt die Menschenrechtsorganisation Witness mit dem Portal The Hub: Unter der Devise See It – Film It – Change It können hier videografische Beweise von Menschenrechtsverletzungen anonym hochgeladen werden, um solche Vorkommnisse zu beweisen und politischen Druck für Gegenmassnahmen aufzubauen. Witness wurde 1992 vom Musiker Peter Gabriel gegründet.

Mehr Informationen bei heise.de.

Sicher ist: Sicherheit ist relativ

Freitag, den 7. September 2007

Zwei interessante (und nicht übermässig technische) Beiträge zum Thema “Sicherheit und Überwachung”:

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Die 30-Minuten-Reportage “Cybercrime” (ZDF/3sat) zeigt auf, wie verwundbar der Einzelne und die Gesellschaft durch das Internet geworden sind, hinterfragt aber zugleich den Sinn des sogenannten “Bundestrojaners”, mit dem die deutsche Regierung Online-Überwachung betreiben will.

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Die neuste Ausgabe des NZZ FOLIO zum Thema “Sicherheit” kommt zu einem ähnlich zwiespältigen Schluss:

“Unter dem Vorwand, sich schützen zu wollen, wirft sich der Rechtsstaat dem ­Monstrum Terrorismus zum Frass vor”,

schreibt Heribert Prantl in seinem absolut lesenswerten Essay “Der Terrorist als Gesetzgeber“.

Der Bloglobus

Mittwoch, den 28. Februar 2007

Schon in den Anfängen des Internets wurde versucht, die geografische Position eines Rechners zu eruieren. Dazu wurde die IP-Adresse ausgelesen, deren Besitzer ermittelt und daraus auf den Standort geschlossen. Was beispielsweise dazu führte, dass Schweizer CompuServe-Kunden (die über das Netzwerk des US-amerikanischen Dienstleisters ins Internet gelangten) automatisch den USA zugerechnet wurden.

Dass die Lokalisierung im Internet heute viel einfacher und präziser geworden ist, hängt unter anderem mit dem Geo-Tagging (zu Deutsch: Geokodierung) zusammen. Ein Geo-Tag enthält eine geografische Positionsangabe (also Koordinaten), die ein Blogger seinem Blog oder ein Fotograf seinem Foto beifügt. Indem diese Meta-Information ausgewertet wird, sind beispielsweise Blog-Landkarten wie die Planet Switzerland Map oder der Blog-Globus von Twingly möglich:

Beliebt ist insbesondere das Geo-Tagging von Bildern. Das Exchangeable Image File Format EXIF, das jede Digitalkamera und jedes Bildbearbeitungsprogramm beherrscht, kann in den Meta-Daten nebst Informationen zur Kamera und zu den Kameraeinstellungen auch Angaben über Zeitpunkt und Ort der Aufnahme speichern. Websites und Desktop-Applikationen können diese Informationen dann nutzen, um Bilder ihrem Ursprungsort zuzuordnen und dies auf Landkarten oder Satellitenbildern zu visualisieren. Ein prominentes Beispiel ist Panoramio, dessen Fotos auch in Google Earth eingeblendet werden. Weitere Beispiele sind bei Media Projekt aufgeführt.

Panoramio

Grundsätzlich kann aber jede Information, die einen Bezug zu einem geografischen Ort hat, mit Geo-Tags versehen werden. Ein schönes Beispiel ist PinToMap, das Wikipedia-Artikel und Hotelinformationen auf eine Google Map projiziert. Sogar die Beute von Tonjägern lässt sich auf eine Landkarte abbilden, wie man beim Free Sound Project sehen bzw. hören kann.

Noch einen Schritt weiter geht Plazes: Auf dieser Web-Plattform kann man laufend seinen eigenen Standort publizieren. Auf diese Weise wissen (je nach Datenschutzeinstellung) die persönlichen Kontakte oder auch die ganze Welt, wo man sich gerade befindet. Umgekehrt kann man herausfinden, wer (Personen) oder was (Restaurants, Museen, WiFi-Hotspots) sich jeweils in der Nähe befindet. Die Aktualisierung des eigenen Standorts erfolgt manuell, wahlweise über den Computer oder das Handy. Allerdings dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Handy entweder per GPS oder per Funkzelle den Standort automatisch ermittelt und an den Plazes-Server weiterleitet.

Plazes

Die Frage, ob man wirkllich ständig über seinen Aufenthaltsort Rechenschaft ablegen will, muss jeder für sich selbst beantworten. Allerdings darf man auch nicht naiv sein: Die Telecom-Gesellschaften wissen bereits heute, über welche Antenne ein Mobiltelefon mit dem Funknetz verbunden ist – was angesichts der Dichte der Mobilfunkantennen eine ziemlich genaue Lokalisierung aller Kunden erlaubt.

Herr Thür: Wen schützen Sie eigentlich?

Mittwoch, den 10. Januar 2007

Vielleicht war ich noch nicht ganz wach heute morgen, als mein Radiowecker die Nachrichten von Radio DRS ausstahlte. Aber irgendwie habe ich verstanden, dass nun auch in der Schweiz sämtliche Kreditkarten auf Straftaten im Bereich der Kinderpornografie überprüft werden sollen. Und der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür sagte dazu sinngemäss, dass er da kein Problem sehe – schliesslich hätten Personen, die keine Kinderpornografie gekauft hätten, auch nichts zu befürchten.

Hallo?!? Ist das die neue Argumentationsweise bei flächendeckender Überwachung? Mein Verständnis war bisher immer, dass Daten nur in konkreten Verdachtsfällen ausgewertet werden dürfen. Wohl verstanden: Ich bin absolut dafür, dass Strafttaten verfolgt werden – hier geht es ums Prinzip. Wir können das Prinzip diskutieren, aber nicht klammheimlich ändern. Und wenn eine Mehrheit tatsächlich will, dass dieses Prinzip geändert wird, dann machen wir es gleich richtig: Führen wir ein nationales Waffenregister ein und machen wir Fahrtenschreiber für alle PWs obligatorisch. Denn: Wer sich nicht strafbar macht mit seiner Waffe oder seiner Fahrweise, der hat auch nichts zu befürchten, oder?

Mail-Adressen zum Wegschmeissen

Sonntag, den 17. Dezember 2006

Die Zahl der Spam-Mails steigt ständig, und jede zweite Website möchte gerne unsere Mail-Adresse wissen, wenn wir ein Benutzerkonto anlegen. Ob da ein Zusammenhang besteht? Jedenfalls kann es nicht schaden, bei Websites, die man vielleicht nur einmal besuchen oder zuerst einmal testen möchte, nicht gleich seine richtige E-Mail-Adresse zu hinterlassen.

Zu diesem Zweck gibt es sogenannte Wegwerf-Mail-Adressen, die man nur kurzfristig nutzt und gleich wieder löscht, sobald die ersten Spams eintreffen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Diensten, die vollkommen anonym funktionieren, und solchen, welche die eingehenden Mails an die reale Mail-Adresse weiterleiten.

Zur ersten Kategorie gehören beispielsweise www.trash-mail.de, www.mytrashmail.com, www.mailinator.com oder www.spambog.com. Der Nachteil dieser Dienste ist, dass man die Mails immer auf der jeweiligen Website abholen muss und dass die Postfächer nicht geschützt sind – wer zufällig die gleiche Mail-Adresse belegt, kommt ins gleiche Postfach. (Ebenfalls in diese Kategorie gehört www.sofort-mail.de, hier kam meine Test-Mail aber auch nach 5 Minuten nicht an.)

Zur zweiten Kategorie gehören etwa www.mailexpire.com, www.spamgourmet.com oder www.nervmich.net. Hier hat man den Komfort, dass die Mails ganz normal in der eigenen Mailbox landen. Allerdings hat man damit zumindest dem Dienstanbieter seine reale Identität verraten, und wenn dessen Datenbank gehackt wird (oder er gar selbst ein verkappter Spammer ist), dann war das Ganze für die Katz’.

Weisse Weste

Mittwoch, den 8. November 2006

Privatsphäre ist ein rares Gut im Internet-Zeitalter. Es gibt kaum jemanden, den man nicht ergoogeln könnte. Und nicht selten kommen dabei auch Informationen zum Vorschein, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt oder gar falsch sind.

ReputationDefender ist gewissermassen ein virtueller Waschsalon, der dafür sorgt, dass Sie – zumindest im Internet – mit einer weissen Weste dastehen:

Our goal is straightforward:

  • To SEARCH out all information about you and/or your child on the Internet, wherever it may be, and present it to you in a clear report.
  • To DESTROY, at your command, all inaccurate, inappropriate, hurtful, and slanderous information about you and/or your child using our proprietary in-house methodology.

Ein interessanter Ansatz. Ob das allerdings auch tatsächlich funktioniert? Informationen im Internet zu finden ist das eine – sie zu löschen (und zwar endgültig und dauerhaft zu löschen) etwas ganz anderes. Wie beispielsweise will man ein komprimittierendes Foto aus der WayBackMachine entfernen, wo Webseiten der letzten 10 Jahre archiviert sind?

(via AYR Weblog)

Anonymes Online-Shopping unerwünscht?

Donnerstag, den 19. Oktober 2006

Swisscom stellt per März 2007 das Online-Zahlungssystem EasyPay mangels Rentabilität ein, wie die Handelszeitung berichtet. Das ist ausgesprochen schade, denn EasyPay war meines Wissens das einzige System, mit dem man im Internet anonym bezahlen konnte. So wie ich im “richtigen” Leben die Wahl habe zwischen (anonymem) Bargeld und (personalisierter) Kreditkarte, so hätte ich diese Wahl auch gerne online. Müsste das nicht den Datenschutzbeauftragten interessieren?  

Always with you

Samstag, den 16. September 2006

Meine Liste der Top 10 Firefox Extensions braucht ein Update. Google Browser Sync ist eine wirklich schöne Lösung, um nicht nur seine Bookmarks, sondern auch andere persönliche Browser-Einstellungen zwischen mehreren Computern vollautomatisch zu synchronisieren. Das ist erstens mehr, als der Bookmarks Synchronizer kann, zweitens geschieht die Synchronisation diskret im Hintergrund, so dass man nicht jedesmal 30 Sekunden blockiert ist, wenn man Firefox startet (so lange kann die Synchronisation bei einer umfangreichen Bookmark-Sammlung schon mal dauern), und man braucht drittens kein FTP-Account.

Google macht sowas natürlich nicht nur zum Spass. Ich bin überzeugt, dass diese Daten statistisch ausgewertet werden und dann irgendwie in den berühmten Google Page Rank einer Website einfliessen. Stört mich das? Solange das anonym geschieht: eigentlich nicht. Und da man lediglich eine E-Mail-Adresse angeben muss, um diesen Service zu nutzen, ist die Anonymität durchaus gewährleistet, wenn ich das will. Wer allerdings in irgend einer Weise verfängliche Bookmarks anlegt und zugleich ein E-Mail-Adresse benutzt, die Rückschlüsse auf seine Person zulässt, sollte diesen Service vielleicht eher nicht in Anspruch nehmen.

Kritischer ist, dass Google Browser Sync auch die History, Cookies und sogar Passwörter synchronisiert. Zwar können alle Daten verschlüsselt weden – aber wer garantiert mir, dass Google sie bei Bedarf nicht auch wieder entschlüsseln kann? Auch wenn in der Computer-Welt wahrscheinlich realere Gefahren lauern: Es muss nicht sein, dass alle meine Passwörter in einer Datenbank bei einem Grosskonzern lagern. Zum Glück lässt sich die Synchronisation der einzelnen Datentypen einzeln ein- und ausschalten.

1984 = 2009

Mittwoch, den 24. Mai 2006

Der Schnüffelstaat (ein Helvetismus, dessen Bedeutung nicht ganz so niedlich ist, wie er klingt) hat Pläne, welche die guten alten Fichen (auch so ein Helvetismus) geradezu harmlos wirken lassen:

“Der Bund will den gesamten Internetverkehr der Schweiz erfassen und speichern.”

Schreibt zumindest die SonntagsZeitung. Hierzu werden derzeit verschiedene Methoden erpropt:

“Diese dritte Variante läuft im Prinzip darauf hinaus, die so genannten ADSL-Router und Kabelmodems mit einer als Wanze funktionierenden Software auszurüsten, die im Bedarfsfall von aussen eingeschaltet werden kann. Bei UMTS-Mobiltelefonen mit ihren Internetzugängen ist das schon der Fall. Der schnelle Datenfunk hat auf Verlangen von Polizeibehörden und Geheimdiensten eine Schnittstelle für die Telefonüberwachung. Moderne Mobiltelefone können somit als Abhörstation verwendet werden.”

Sind sie nicht liebenswert, die Schweizer? Nicht in die EU wollen aus lauter Schiss vor Fremdbestimmung – aber die eigenen Bürger überwachen, dass es einem graust. George Orwell hatte eben doch recht – er hat sich nur im Datum geirrt: 2009 soll der digitale Schnüffelstaat Realität werden. Das wäre dann so etwa das Jahr, in dem alle Verbrecher dieses Landes ihren Internet-Anschluss kündigen und nur noch über die WLANs ihrer Nachbarn surfen. Oder sich zumindest eine nette Kryptografie- bzw. Steganografie-Software zulegen, damit sie weiterhin ungestört Informationen mit ihren Spezis austauschen können. 9/11 wäre jedenfalls mit dieser Massnahme ganz sicher nicht zu verhindern gewesen, denn wer einen Jet fliegen lernen kann, der wird sich auch in die Basics der Computersicherheit einarbeiten können.

Hängt nur weiterhin Vorhänge in Eure Fenster – Privatsphäre war mal!