Monatsarchiv für April 2006

iKone

Dienstag, den 25. April 2006

Nur einigen wenigen Alltagsgegenständen war es vergönnt, in den Olymp der Design-Ikonen aufzusteigen: der Bialetti-Espressomaschine beispielsweise, der Coca-Cola-Flasche, der Vespa, der Corbusier-Liege, der Schweizer Bahnhofsuhr, dem Rubik’s Cube oder dem VW Käfer.

Definitiv geschafft hat es inzwischen auch der iPod. Wie sonst könnte man ein paar Tausend Menschen dazu bringen, ihr tragbares Musikwiedergabegerät zu fotografieren, um das Bild dann in der iLounge Fotogalerie zu publizieren?

“I like Mike”

Dienstag, den 25. April 2006

Mike van Audenhove (Zürich by Mike) hat mit seiner Ausstellung im Zürcher Stadthaus ein Heimspiel: der Applaus ist ihm gewiss, und das Gästebuch ist Zeuge davon, dass sich die Zürcher gerne so sehen, wie Mike sie sieht.

Nicht ganz so gnädig fällt das Urteil über die Texte aus, die Urs Widmer auf Mikes Bitte hin freundlicherweise zu den grossen Wandbildern verfasst hat. Eine nicht mehr ganz junge Besucherin beispielsweise fühlte sich bemüssigt, dem preisgekrönten Schriftsteller richtiges Deutsch beizubringen, weil er von “achtzehn verschiedenen Apfel-Rassen” schreibt:

“Lieber Herr Widmer, streben Sie noch mehr nach Klasse auch im Text, obwohl sie nicht schlecht sind. Schreiben Sie doch das nächste Mal Apfel-Sorte (der Saft allerdings hat Rasse).”

Geradezu erfrischend dagegen der Gästebucheintrag einer offensichtlich jüngeren Besucherin:

“Die Texte von Urs sind auch toll, aber wer ist das?”

Wäre ich Urs Widmers Agent, so würde ich ihm vielleicht nahelegen, ein Blog zu führen. Das würde seinen Bekanntheitsgrad bei der Jugend massiv steigern, und er könnte sich zudem spontan zur dichterische Freiheit äussern, wenn ihm wieder einmal jemand am Zeug flicken will.

Videopinion

Dienstag, den 25. April 2006

ADSL-Abonnenten konnten sich kürzlich über die Verdreifachung ihrer Bandbreite freuen. (Testen Sie doch mal Ihre aktuelle Bandbreite!) Damit wird nicht nur das Radiohören, sondern auch das Fernsehen über Internet langsam aber sicher Realität. Und das Angebot wächst rasant.

Das Schweizer Fernsehen beispielsweise stellt wichtige Nachrichtensendungen und Magazine tagesaktuell ins Internet. Auch ARD und ZDF bieten Videos verschiedener Sendungen an, allerdings sind sie über die Website verstreut (man könnte auch sagen: in den übrigen Content integriert). Grosse Filmstudios bringen Ihre Trailers schon längst via Web unter die Leute – für Independent-Produktionen ist es sogar oft der einzige Weg, um überhaupt ihr Publikum zu erreichen. Und Steve Jobs, der Mann mit dem Riecher für zukünftige Trends, hat den Apple iTunes Store vor kurzem auch für Videos geöffnet.

Weil aber im Internet jeder kann, der will, gibt es auch ein beeindruckendes Angebot an nicht-professionellen Videos. YouTube ist nur eine von vielen Sites, wo jeder zum Filmstar oder zum Regisseur werden kann. Selbst Opinion-Portale, welche Konsumgüter testen, haben Videos als Steigerungsform des schriftlichen Testberichts entdeckt – Videopinion heisst das dann bei ExpoTV. Was den meisten dieser Clips gemeinsam ist: Sie sind grottenschlecht. Denn ein gutes Video zu produzieren ist noch viel schwieriger, als eine gute Website zu machen (und schon daran scheitern die meisten).

Im Gegensatz zum Fernsehen – wo ich zur Not noch dem “schlechten Programm” die Schuld geben kann – bin ich allerdings ganz allein dafür verantwortlich, ob ich mir eine spannende Doku oder den hundertsten Pleiten-Pech-und-Pannen-Clip reinziehe. Das ist ziemlich anstrengend. Irgendwie hatte die Zeit, als wir nur die Wahl zwischen SF DRS oder ARD mit Schnee hatten, auch eine schöne Zeit.

Männerstadtrundgang

Sonntag, den 23. April 2006

Das Bewusstsein, dass es zweierlei Menschen gibt und sich diese nicht nur anatomisch unterscheiden, hat sich – nachdem die eine Sorte Mensch ein Jahrhundert lang insistiert hat – inzwischen auch bei der anderen Sorte Mensch durchgesetzt. In fast allen Lebensbereichen gibt es heute Angebote, die sich speziell an Frauen richten bzw. sich speziell mit Frauen auseinandersetzen. Auch in der Geschichtswissenschaft haben die HistorikerInnen mit der Geschlechtergeschichte ein Teilgebiet etabliert, dass sich – nein, eben nicht primär mit den Geschlechtern, sondern vor allem mit den Frauen befasst.

Beispiel gefällig? In vielen Schweizer Städten gibt es heute einen sogenannten Frauenstadtrundgang (z.B. in Baden, Basel, Chur, Fribourg, Genf , Luzern, Winterthur, Zürich, Zug). Natürlich dürfen hier auch Männer teilnehmen, aber inhaltlich geht es um Frauen – Frauen, die in der Geschichte der Stadt eine besondere Rolle gespielt haben.

Klar – die Männer sind in der bisherigen Geschichtsschreibung tatsächlich nicht zu kurz gekommen, und überall dort, wo nicht explizit Frauen… draufsteht, sind meistens Männer… drin. Trotzdem ist es frappant, dass man beim googeln nach “Männerstadtrundgang” genau 0 (Null) Treffer erhält.

Office 2.0

Samstag, den 22. April 2006

Vor kurzem habe ich mir an dieser Stelle ein World Wide Word gewünscht. Offensichtlich war ich nicht der einzige, denn die AJAX-basierten Online-Textverarbeitungen schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Und nicht nur das: auch Tabellenkalkulation, Datenbanken, Projektverwaltungen und was der unenbehrlichen Tools mehr sind gibt es zunehmend als Web-Applikation in brauchbarer Qualität. Langsam wird es doch noch was mit der Vision The Net is the Computer.

Ismael Ghalimi nennt das Ganze griffig Office 2.0 und publiziert eine hervorragende Liste mit den besten Web-Applikationen für die verschiedenen Aufgaben des täglichen Computerlebens.

Missverständnis

Samstag, den 22. April 2006

Es wäre ein Missverständnis zu glauben, dass nachdenken deshalb so heisst, weil man es erst hinterher tut.

Chlürlibahn

Samstag, den 22. April 2006

Was Peter Fischli und David Weiss (Der Lauf der Dinge) im Grossformat gemacht haben, macht eine japanische TV-Sendung im Kleinformat: aufwändige Installationen, die – einmal in Bewegung gesetzt – eine Kettenreaktion auslösen, die ebenso unterhaltsam wie sinnfrei ist. Chlürlibahnen deluxe, sozusagen.

Was ich bisher nicht wusste: Solche Installationen haben sogar einen Namen. Nach einem amerikanischen Cartoonisten, der komplizierteste Mechanismen für trivialste Aufgaben zeichnete, spricht man von Rube Goldberg Machines. Und Video-Clips von solchen Happenings findet man im Netz zuhauf, z.B. bei YouTube.

Nicht weniger beeindruckend sind diese musizierenden Maschinen – die allerdings nicht real sind, sondern ihre Existenz dem 3D-Rendering von Animusic zu verdanken haben.

GIS Mashups

Donnerstag, den 20. April 2006

Wer Freude an map.search.ch und immo.search.ch hat, sollte sich einmal www.local.ch anschauen (und kurz mit www.directories.ch vergleichen um zu verstehen, was eine Web 2.0 Applikation ausmacht).

Ãœber Demokratie

Dienstag, den 18. April 2006

Die Wahlen sind frei, kostenlos, manche sagen sogar, sie sind umsonst.

Volker Pispers

Wobei man das nach dem Zittersieg von Romano Prodi wieder einen Hauch optimistischer sehen darf.

Gut schweizerische Pünktlichkeit?

Freitag, den 14. April 2006

Erst kürzlich ist mir die Absurdität aufgefallen: Unsere Bahnhofsuhr – gleichermassen Symbol der SBB und der schweizerischen Uhrmacherkunst und somit in doppelter Weise Symbol der Pünktlichkeit – geht massiv ungenau! Immer wenn der Sekundenzeiger oben ankommt, hält er einen Moment inne, bis der Minutenzeiger springt. In diesem Moment steht quasi die Zeit still, was man durchaus poetisch interpretieren kann, was aber faktisch bedeutet, dass der Sekundenzeiger zu schnell läuft und somit jede volle Minute wieder zurückgepfiffen werden muss.

Das darf mir gerne mal jemand erklären.