Das Versprechen des Roger Köppel

18. Oktober 2006 | Tim Springer

Roger Köppel ist zurück, und die Weltwochenschau hat es schlicht verschlafen! Das selbsternannte Watchblog der Weltwoche behauptet nach wie vor:

“Roger Köppel hat sein Amt noch gar nicht angetreten bei der Weltwoche, deshalb gibts auch noch keine Köppeliaden (Copyright by Martin Hauzenberger) zu rapportieren. Also: abwarten bis Darth Vader die Redaktion betritt.”

Die Weltwochenschau ist mit dem grossen Anspruch angetreten, einem der streitbarsten Schweizer Medienmacher auf die Finger zu schauen, und hat – ausser ein bisschen voreiliger Publicity in eigener Sache – bisher rein gar nichts geleistet. Das nährt natürlich Verschwörungstheorien: Hat der neue Weltwoche-Besitzer die Blogger unter Druck gesetzt? Oder hat er das Blog gar selbst eingerichtet, um seinen Kontrahenden zuvorzukommen, und lässt es nun wieder sterben, um die Diskussionen um seine Person einschlafen zu lassen?

Bleiben wir bei den Fakten – denn genau das ist es, was sich auch die Weltwoche auf die Fahnen geschrieben hat:

“Die Weltwoche lebt vom Leitsatz ‘schreiben was ist’. Der Leser erwartet, dass die Dinge so dargestellt werden, wie sie wirklich sind.” (Köppel im Interwiew mit Persönlich)

Diesen Anspruch vertieft Köppel auch in seinem Leitartikel der neuesten Weltwoche-Ausgabe, in dem er die ruhmreiche Vergangenheit des Blattes als Sprachrohr gegen Nazi-Deutschland und als Heimat der emigrierten deutschen Intelligenzia beschwört.

“Die Zeiten haben sich verändert, aber die Weltwoche ist ein Ort der unabhängigen, der unbequemen Reflexion geblieben, eine Weltschau und ein Forum der distanzierten, punktgenauen Debatte.”

Und weiter:

“Sie pflegte den Humor als Stilmittel, die souveräne Heiterkeit als Grundton jeder vernünftigen Verständigung.”

Und schliesslich:

“Journalistisch steht das Blatt in bewährten Traditionen. Es fühlt sich dem publizistischen Realismus verpflichtet: Schreiben, was ist. Die Weltwoche hat sich immer bemüht, die Dinge so darzustellen, wie sie wirklich sind, jenseits der Schlachtordnungen, in der Mitte des Geschehens, aber immer über der Sache, durchaus engagiert und meistens gut gelaunt. Es spielt keine Rolle, woher die Kritik kommt, von welcher Seite der Applaus. Entscheidend ist der Drang zur eigenen Agenda.”

Einverstanden, Herr Köppel: Genau so wardie Weltwoche, bevor sie unter Ihrer ersten Chefredaktion polarisiert und polemisch wurde. Seither lesen wir regelmässig in gehässigem Ton darüber, wie der Staat und die Linken jede vernünftige Entwicklung in unserem Land verunmöglichen und wie wir von anderen Kulturen überrannt werden. Falls Sie tatsächlich zur alten Tradition der Weltwoche zurückzukehren wollen, dann kann ich nur sagen: Welcome back! Andernfalls haben Sie mit Ihrem Leitartikel ein unzweideutiges Versprechen abgegeben, an dem Sie Ihre Leserschaft jederzeit messen kann und wird.

Zur Rückkehr von Roger Köppel gebloggt haben unter anderen auch Tim der Grosse (mit dem ich weder verwandt noch verschwägert bin), die Blattkritik, Paperholic und Der Dissident.

Nachtrag: Tim der Grosse hat offenbar Geschmack an der Sache gefunden und Roger Köppels Leitmotiv zum Titel seines alternativen Weltwoche-Watchblogs gemacht: Schreiben, was ist! Der inoffizielle Weltwoche-Watchblog, der den selbsterklärten Welterklärern auf die Finger schaut. (Aber verwandt oder verschwägert sind wir noch immer nicht.)

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