SBBashing

25. Juni 2005 | Tim Springer

Das grosse SBB-Blackout erwischte mich im Trolley-Bus. Doch der gehört der VBZ, hatte also Strom und fuhr absolut fahrplanmässig. Das Chaos am Hauptbahnhof bekam ich nur in Form einer “Information der ZüriLinie” mit. Ich habe also gut reden.

Roland Schlumpf hatte offenbar weniger Glück. Und offenbar nicht nur dieses eine Mal. Offensichtlich hatte sein Zug schon öfters Verspätung, oft war er zudem überfüllt, so dass Herr Schlumpf für sein sauer verdientes Geld nicht das bekam, was er glaubte erwarten zu dürfen. Das ist natürlich sein gutes Recht. Schade nur, dass die Redaktion des Tages-Anzeigers am Donnerstag ausgerechnet diesem Herrn die fünfte Spalte auf der Frontseite überliess, damit dieser per Kommentar am Day After so richtig gegen die SBB vom Leder ziehen konnte:

“Ihre Dienstleistungen sind typisch für einen Monopolisten, wenig kundenorientiert und teuer: Mit der Pünktlichkeit ist es trotz aller gegenteiligen Behauptungen der Unternehmensleitung nicht sonderlich weit her, Sitzplätze sind nicht garantiert, und wer von einem vergünstigen Generalabonnement für Familienmitglieder profitieren will, wird mit administrativen Hürden schikaniert. Längst schon lassen sich Schulklassen mit dem Car ins Ski- und Pfadilager ins Sommerlager fahren, weil die Kollektivpreise der SBB ihre Budgets sprengen.”

Markige Sätze, die Quote machen und dem Blick nicht schlecht anstehen würden – aber nicht zum Tagi passen. Nehmen wir aus aktuellem Anlass die Sitzplatzdiskussion, in der ich seit kurzem Experte bin. Richtig: Die Sitzplätze sind nicht garantiert – wenn man eine Platzreservation scheut. Auch ein Monopolist kann leider nicht hellsehen und voraussagen, ob an diesem Abend um 21:02 Uhr nun 513 oder 947 Personen von Zürich nach Basel fahren wollen. (Das Geschrei möchte ich hören, wenn plötzlich alle Bahnreisen vorangemeldet werden müssten – oder wenn die SBB ständig maximale Kapazitäten bereitstellen und deshalb die Billettpreise erhöhen würde.) Übrigens: Letzhin bekam ich auch in meinem Stammlokal keinen Platz mehr! Ist das nicht unerhört?

Auch die Informationspolitik der SBB bekam ihr Fett weg:

“… in den Zügen wie auf den Bahnhöfen hiess es lapidar: ‘Kein Strom.'”

Ich denke, man hätte nicht treffender sagen können, was Sache ist. Und es scheint mir eine gute Idee, mit Erklärungen zuzuwarten, so lange man selbst keine Klarheit hat. Nicht wahr, Herr Schlumpf?

P.S. Man kann die ganze Sache auch mit Humor nehmen…

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