Digitalfotografie: Die Krux mit dem Seitenformat

29. Oktober 2006 | Tim Springer

Wer digitale Fotografien zuschneiden will, sieht sich unvermutet mit einem Dilemma konfrontiert: Welches Seitenverhältnis soll man wählen?

Das Urformat der Fotografie – der 36-mm-Kleinbild-Film – hat ein Seitenverhältnis von 3:2 (Breite : Höhe), was einen Quotienten von 1.50 ergibt. Daran orientieren sich auch die klassischen Papierbild-Formate 9 x 13 bzw. 10 x 15 cm. Digitale Spiegelreflexkameras bleiben diesem Seitenverhältnis treu – wahrscheinlich deshalb, weil der deutliche Unterschied zwischen Quer- und Hochformat gestalterisch mehr hergibt.

Das zweite uns geläufige Format ist der PAL-Fernseher, wo die Bildpunkte in einem Verhältnis von 5:4 (Quotient = 1.25) zueinander stehen. Bei diesem Format unterscheiden sich die beiden Seitenlängen also deutlich weniger stark, das Bild tendiert mehr ins quadratische. Das ist vielleicht ein bisschen langweilig, aber weil man den Fernseher nicht jedes Mal um 90 Grad drehen kann, wenn eine Hochformataufnahme kommt, macht das Sinn: Bewegte Bilder gibt es nun mal nur im Querformat.

Genau dazwischen liegt das Seitenverhältnis bei den klassischen Computerbildschirm-Auflösungen: VGA und seine Nachfolger erzielen einen Wert von 4:3 (Quotient = 1.33). Auch einfachere Digitalkameras orientieren sich daran – wohl deshalb, weil solche Bilder am häufigsten am Computer betrachtet werden.

Die Rückbesinnung auf Standardformate ausserhalb der Fotografie schafft ebenfalls nicht die erwünschte Klarheit: Bei den Papierformaten gibt es zwei abweichende Normen (DIN/ISO und ANSI), und weder A4 noch Letter bringen es auf eines der obigen Seitenverhältnisse. Fehlanzeige auch beim berühmten Goldenen Schnitt, dessen Seitenverhältnis überraschend extrem ist und quasi auf halbem Weg zum Breitbildfernsehen HDTV (16:9) liegt.

Kurz: Ich habe keine befriedigende Lösung gefunden – aber immerhin den Überblick.

1 Kommentar

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