Unwort des Tages

8. Februar 2007 | Tim Springer

abgesegnet

Immer häufiger lese ich das Wort in Sitzungsprotokollen und in Geschäftskorrespondenz – und heute höre ich es sogar in den Morgennachrichten von Radio DRS. Abgesegnet werden Gesetzesvorlagen, Budgets, Personalentscheide. Das gibt der Sache einen leicht metaphysischen Touch, den sie nicht verdient: Ich hoffe vielmehr, dass solche Sachentscheide unter rationalen Gesichtspunkten gefällt werden. Zudem hat absegnen einen Beigeschmack von: Die Absegner hatten nicht mehr viel zu sagen (sei es, weil sie keine Befugnis dazu haben, sei es, weil es sie gar nicht interessierte), der Entscheid war reine Formsache. In diesem Zusammenhang gibt es übrigens gleich nochmals ein Unwort: abnicken.

3 Kommentare

  1. Kommentar von rafael

    Ich stimme dir zu, bei deinem Unwort. Es sind halt auch immer diese “Mödeli”. welche den Umgangswortschatz prägen. Mein Unwort wäre :”Nachhaltigkei”, ein total missbracuhtes Wort in meinem Augen.


  2. Kommentar von Marcel Widmer

    Was Du beschreibst, hat natürlich auch mit Deinem subjektiven Empfinden zu tun. Um hier eine zusätzliche Perspektive einzubringen, meine – natürlich genauso subjektive – Sicht:

    Ich hoffe vielmehr, dass solche Sachentscheide unter rationalen Gesichtspunkten gefällt werden.

    Hoffentlich nicht nur! Den gute Entscheide werden auch “mit dem Bauch” gefällt. Sowohl als auch!

    Zudem hat absegnen einen Beigeschmack von: Die Absegner hatten nicht mehr viel zu sagen

    Es ist ja auch gut, dass es irgendwann einmal nichts mehr zu sagen gibt. Schliesslich muss ja auch einmal entschieden und “vorwärts” gemacht werden. Stichworte wie Entscheidungskompetenz und -fähigkeit kommen mir da in den Sinn.

    Alles in allem assoziiere ich mit “absegnen” eher das: “Du hast meinen Segen, das zu tun”. Hat einen Touch von Religion.


  3. Kommentar von S.

    schön wäre es, wenn jemand die Entscheide wirklich segnen würde :-))


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