Kaffeesatz

5. Dezember 2004 | Tim Springer

“Espresso trinken für die Kaffeebauern” empfiehlt die NZZ. Entwicklungshilfe per Suchmittelkonsum? Der Titel weckt Neugierde, unsere Jura Impressa muss nochmals einen Kaffee (95 ml, mittelstark) rausrücken, und dann installiere ich mich auf meinem Lese-, Denk- und Schreibstuhl.

Direkt nach Erdöl ist Kaffee der zweitwichtigste Rohstoff der Welt. Im Gegensatz zu ersterem hat er aber in den letzten Jahren massiv an Wert verloren: Zwischen 1997 und 2001 ist der Preis für Rohkaffee auf einen Zwölftel eingebrochen. Der Grund dafür ist elementare Ökonomie: Die Nachfrage hat sich nicht gleich stark entwickelt wie das Angebot, insbesondere Vietnam und Brasilien haben ihre Exporte gesteigert.

Leidtragende des Preiszerfalls sind die Entwicklungsländer Mittelamerikas, wo die Kaffeebauern kaum alternative Erwerbsquellen haben und quasi nur noch zwischen Drogenanbau und Emigration wählen können. Dass Kaffeeanbau – ähnlich wie die Weinproduktion – eine langfristige Angelegenheit ist und man nicht innert Jahresfrist Produktionsflächen auf- oder abbauen kann, macht die Sache nicht einfacher. Hinzu kommt, dass den vielen Kleinproduzenten nur einige wenige grosse Kaffeehändler und -röster gegenüberstehen und die Verhandlungspositionen somit höchst ungleich sind.

Sogenannter “Fair Trade”-Kaffee (z.B. mit Max Havelaar Label) soll den Kaffeebauern ein existenzsicherendes Einkommen garantieren, indem die Kaffeetrinker einen Aufpreis bezahlen, der direkt an die Produzenten weitergegeben wird. Allerdings erreicht “Fair Trade”-Kaffee nur gerade einen Marktanteil von 1 bis 2 Prozent – zu wenig für eine fundamentale Verbesserung. Für eine nachhaltige Lösung des Problems müsste – wiederum nach den elementaren Gesetzen der Ökonomie – die Nachfrage gesteigert werden. Und wie macht man das? Indem man die Anhänger von Instant- und Filterkaffee dazu bringt, auf Espresso umzusteigen, weil dafür wesentlich mehr Kaffee pro Tasse verbraucht wird. Ich glaube, ich muss nochmals kurz zu unserer Jura Impressa…

P.S. Eine naheliegende Überlegung vermisse ich Artikel der NZZ: Wie kommt es, dass trotz sinkender Rohstoffpreise der Kaffee Crème im Restaurant in den letzten Jahren immer teurer wurde? So lange mir niemand das Gegenteil beweist muss ich davon ausgehen, dass hier jemand auf Kosten der Produzenten und Endkonsumenten seine Marge ganz nett erhöht hat. “Unfair Trade”-Kaffee halt, rund 98 Prozent Marktanteil. Soviel zum Thema “Der Markt wird’s schon richten.”

1 Kommentar

  1. Kommentar von Dennis

    ihr habt das wunderbar beschreiben aber ihr habt nicht unfair trade was mich wesentlich mehr interessiert hätte


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