Tandem

20. Februar 2005 | Tim Springer

Wir kennen das vom Tandem-Fahren: Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der andere nicht mit vollem Einsatz in die Pedale tritt. Auch bei der Arbeit beschleicht uns oft das Gefühl, dass sich andere nicht ganz so stark ins Zeug legen, wie sie könnten. In beiden Fällen ist unsere Reaktion dieselbe: „Also wenn es sich andere so bequem machen, dann wäre ich ja blöd, wenn ich mich voll einsetzen würde!“

Diese alltägliche Erfahrung ist objektiv zutreffend und sogar wissenschaftlich bewiesen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts mass Max Ringelmann, wie stark sich der Einzelne beim Seilziehen verausgabt. Dabei konnte er klar nachweisen, dass die pro Person aufgewendete Kraft umso kleiner wird, je mehr Personen am Seil ziehen. Der sogenannte Ringelmann-Effekt (der 1974 von Alan C. Ingham experimentell bestätigt wurde) besagt also: Je mehr Personen in einem Team sind, desto weniger setzt sich der Einzelne ein, weil sein Beitrag immer weniger relevant wird und weil es immer weniger auffällt, wenn er sich drückt.

In die Umgangssprache übersetzt: Team = Toll, ein anderer macht’s!

(Das Experiment ist nachzulesen im Buch von Reto U. Schneider.)

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