Krass, der Grass

17. Oktober 2005 | Tim Springer

Wir kennen das vom Deutschunterricht: Keiner traut sich zuzugeben, wenn ihm ein Werk der gehobenen Literatur unverständlich geblieben ist – schliesslich kann das ja nicht an der Literatur, sondern nur an einem selbst liegen.

Christiane Tichatschek ist da aus anderem Holz geschnitzt und hat keine Hemmungen, selbst Literaturnobelpreisträger knallhart mit ihrem Kannitverstahn zu konfrontieren. Für ein Interview der Zeitschrift mobil (Schweizer finden sie gelegentlich im ICE Zürich-Basel herumliegen) gestand sie Günter Grass, dass es da eine Passage im Roman Hundejahre gebe, die ihr schleierhaft geblieben seien. Wörter wie “Gakkos”, “Ballertmenger”, “Aschmatei” oder “Efta” kommen darin vor.

“Herr Grass, was bedeutet das?”
“Das ist Zigeunersprache.”
“Wer weiss denn so etwas?”
“Aber es klingt doch gut, finden Sie nicht auch?”

Manchmal liegt es eben doch an der Literatur. Oder am Schriftsteller, der ganz bewusst das Kannitverstahn seiner Leser in Kauf nimmt und sich vielleicht auch ein bisschen darüber amüsiert. Fragen ist also erlaubt!

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