Der digitale Zettelkasten

8. April 2007 | Tim Springer

Bis vor etwa 10 Jahren wurde jeder Student dazu angehalten, einen Zettelkasten zu führen, um seine Literatur und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu sammeln. Auch ich habe es versucht – und rasch verworfen, denn entweder man blieb dabei absolut oberflächlich, oder man verschwendete Tage, um nur ein einziges Buch zu verarbeiten.

So zögerte ich denn den Abschluss meines Studiums noch ein bisschen hinaus, bis mir die Computer-Revolution zu Hilfe kam. Mit einer selbst programmierten Datenbank auf Basis von FileMaker schaffte ich es schliesslich, die Literatur- und Themenflut meiner Lizentiatsarbeit in den Griff zu bekommen und letztere zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Auf die Datenbank StudyMaster bin ich noch immer ein bisschen stolz. Aber mein Plan, sie weiterzuentwickeln und zu veröffentlichen, ging rasch in Vergessenheit, nachdem ich das Lizentiatszeugnis in Händen hielt.

Offenbar war ich nicht der einzige, der sich seinen Zettelkasten in digitaler Form wünschte. An den Universitäten Basel und Zürich entstand in den letzten Jahren eine ähnliche Lösung namens Lit-link. Sie basiert ebenfalls auf FileMaker, liegt inzwischen in der Version 2.6 vor und kann – ich gebe es neidlos zu – einiges mehr als StudyMaster. Beeindruckend sind etwa die wählbaren Zitierformate von „Suhrkamp“ über „Gallimard“ bis „Harvard“ (StudyMaster formatierte Literaturangaben stur nach den Regeln des Historischen Seminars der Uni Zürich) sowie die Importfunktion aus Bibliothekskatalogen, welche das mühsame abtippen der Literaturangaben erspart. Lit-link ist kostenlos (wenn auch nicht Open Source), für Windows und Mac OS X verfügbar, und dank der Runtime-Version muss man sich nicht einmal FileMaker kaufen.

P.S. Lit-link ist beileibe nicht der einzige elektronische Zettelkasten. Ein Blick auf Clio, Wikipedia oder Literaturmanagement.net zeigt, dass es die Wissenschaftswelt gut verkraften wird, wenn StudyMaster weiterhin auf meiner Festplatte den Schlaf des Gerechten schläft.

1 Kommentar

  1. Kommentar von Dahausa

    Hallo,
    als sehr gutes Literaturverwaltungs-Tool möchte ich auf Citavi verweisen (http://www.citavi.com/). Hab ich selbst erfolgreich bei meiner Thesis eingesetzt. Ist gut bedienbar und verfügt über super Funktionalität!

    Gruß Dahausa


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