Feigenblatt für Vielflieger

29. April 2007 | Tim Springer

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Ich dusche regelmässig und ausgiebig, mag im Winter nicht frieren, wenn ich auf dem Sofa liege, und dass mein Computer Strom verbraucht, ist schade, aber nicht zu ändern. Abgesehen von diesen Prämissen bin ich aber durchaus bereit, meine persönliche Umweltbilanz zu optimieren, beispielsweise in dem ich dem Öffentlichen Verkehr fröhne und die unvermeidbaren Autofahrten mit einem Fahrzeug bewerkstellige, das meine Arbeitskollegen aufgrund seiner Grösse und Motorenleistung nicht wirklich als Auto bezeichnen würden. Kurz: Ich verstehe micht nicht als klassischer Grüner, aber die Zukunft unseres Planeten liegt mir am Herzen.

Mit diesen Voraussetzungen gehöre ich bestimmt zur Kernzielgruppe des myclimate tickets: klimaneutral fliegen – wer wollte etwas dagegen haben?

“So funktioniert es: Mit dem Kauf eines myclimate tickets kompensieren Sie die schädlichen Auswirkungen Ihres Fluges auf das Klima. Dieselbe Menge Emissionen, die Ihr Flug verursacht, wird in einem Klimaschutzprojekt eingespart. Das myclimate ticket kann zusätzlich zum Flugticket direkt bei myclimate oder in verschiedenen Reisebüros gekauft werden.”

Prima Sache? Was mich daran stört ist, dass ein Flug mit mycliamte ticket genau so viel Umweltschäden verursacht wie ein Flug ohne: Das Kerosen ist weg, und das CO2 ist da. Klimaschutzprojekte sind eine tolle Sache, aber vermeiden ist immer effektiver als reparieren. Und wem ernsthaft am Klimaschutz gelegen ist, der muss CO2-Ausstoss nicht bloss kompensieren, sondern in absoluten Zahlen vermindern. Auch wenn ich das Prinzip von Umweltabgaben als Steuerungsmassnahme im Grundsatz gutheisse: Das myclimate ticket ist ein Persilschein gegen schlechtes Gewissen, ein Ablasshandel mit dem Global Warming. Einmal weniger fliegen bringt mehr.

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