Sturheit pur

23. März 2007 | Tim Springer

Es ist erschreckend, mit welchem Starrsinn sich dieses Land manchmal sinnvollen Veränderungen widersetzt. In Chur erschiesst ein junger Mann seine Freundin mit dem Sturmgewehr, eine Studie des Kriminologen Martin Killias macht Militärwaffen für 300 Tote pro Jahr verantwortlich – aber der Nationalrat beharrt darauf, dass Armeeangehörige ihre Waffen weiterhin mit nach Hause nehmen. Drei Schlagzeilen vom gleichen Tag.

In einer Zeit, in der Raucher per Verbot zu gesünderem Leben angehalten werden und auf unseren Strassen die Vision Zero gilt, nimmt unser Parlament 300 Familiendramen pro Jahr in Kauf – nur um einen alten Zopf unseres Milizsystems nicht abschneiden müssen, dessen Nutzen höchst fragwürdig ist. Das Sturmgewehr im Schrank soll unser Land schützen – in Tat und Wahrheit gefährdet es aber dessen Bürger. Selbst der Verzicht auf die Abgabe der Taschenmunition oder auch nur eine zentrales Waffenregister sind bisher nicht durchgekommen.

Das Parlament nimmt in dieser Frage schlicht seine Verantwortung nicht wahr. Und auf den Bundesrat können wir leider auch nicht zählen, solange das Militär- und das Justizdepartement von den beiden Hardlinern Schmid bzw. Blocher geführt werden.

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