Archiv der Kategorie 'MundArt'

It’s Time to Say Goodbye

Montag, den 31. Dezember 2007

Gut drei Jahre habe ich hier gebloggt. Es waren drei gute Jahre: Ich habe viel gelernt, bin auf viele neue Ideen gekommen, hatte einige tausend Besucher pro Monat und insgesamt viel Freude an meinem Blog.

Andererseits: Ein Blog zu schreiben ist Arbeit, und davon habe ich eigentlich mehr als genug. Und gemäss meinem Vorsatz für 2008, die Zahl meiner Projekte drastisch zu reduzieren, werde ich dieses Blog per 1.1.2008 stillegen. Nicht löschen, nicht schliessen, aber stillegen. Mindestens einen Monat, vielleicht auch ein Jahr, möglicherweise für immer – but never say never again.

Happy New Year!

Wreading

Donnerstag, den 27. Dezember 2007

Schade, dass die Wikipedia das Wort “Wreading” als nicht enzyklopädie-würdig empfindet. Für mich ist es gewissermassen die Essenz des Bloggens: die Kombination der Tätigkeiten von Leser und Autor, schreibend lesen, schreiben um zu verarbeiten, zu verstehen, zu lernen, zu denken. Aber zum Glück gibt es dafür auch noch andere hübsche Ausdrücke.

Satisfactor

Sonntag, den 21. Oktober 2007

V., ein Schulfreund aus Gymi-Zeiten, heute Musiker und Komponist, hat gestern bei sizilianischem Essen und Wein ein neues Wort komponiert:

Satisfactor (engl.): nicht-materielle Komponente der Entschädigung, die man für eine Tätigkeit erhält

Sturm

Donnerstag, den 11. Oktober 2007

Was ist Sturm, BitzlerBrauser oder Paradise? Ganz einfach: der auch von Schweizern geschätzte Sauser (“Suuser“), wie er in Österreich, Deutschland bzw. Frankreich hiesst.

Nachzulesen im Rezepte-Wiki.

Lebendige Sprache

Freitag, den 17. August 2007

Word Spy registriert neue Wörter. (Ja, davon gibt es eine ganze Menge!) Besonders hübsch:

floordrobe n. A pile of discarded clothes on the floor of a person’s room. [Blend of floor and wardrobe.]

uninstalled adjective. A euphemism for being fired.

approximeeting pp. Getting together with one or more people by first arranging an approximate time or place and then firming up the details later on, usually via cell phone.
approximeet v.

carbage n. The garbage that accumulates in some cars, particularly in the back seat. [Blend of car and garbage.]

social expression product n. A euphemism for a greeting card.

Vorsichtig optimistisch

Samstag, den 28. April 2007
p5rn7vb

Aus einem Artikel über ein vielversprechendes Medikament:

“There’s a light at the end of the tunnel, but don’t put on your sunglasses too soon!”

(via S.)

Alt und teuer

Montag, den 23. April 2007

“Everything is good when new, but friends when old.”

Unwort des Tages

Donnerstag, den 8. Februar 2007

abgesegnet

Immer häufiger lese ich das Wort in Sitzungsprotokollen und in Geschäftskorrespondenz – und heute höre ich es sogar in den Morgennachrichten von Radio DRS. Abgesegnet werden Gesetzesvorlagen, Budgets, Personalentscheide. Das gibt der Sache einen leicht metaphysischen Touch, den sie nicht verdient: Ich hoffe vielmehr, dass solche Sachentscheide unter rationalen Gesichtspunkten gefällt werden. Zudem hat absegnen einen Beigeschmack von: Die Absegner hatten nicht mehr viel zu sagen (sei es, weil sie keine Befugnis dazu haben, sei es, weil es sie gar nicht interessierte), der Entscheid war reine Formsache. In diesem Zusammenhang gibt es übrigens gleich nochmals ein Unwort: abnicken.

Vom Nutzen der Fremdsprachen

Sonntag, den 23. Juli 2006

Manchmal ist es schon sehr hilfreich, Fremdsprachen zu können. Gelegentlich erschliesst sich dadurch die Bedeutung und Herkunft eines Wortes wie von selbst:

Oboe (dt.) = Hautbois (franz.)

Quatsch

Samstag, den 27. Mai 2006

Manchmal, so finde ich, fehlt es der deutschen Sprache an der nötigen Prägnanz. Zwar ist Quatsch ein sehr originelles und durchaus starkes Wort – aber an die Kraft von Bullshit kommt es einfach nicht heran. Mit einem einzigen “Bullshit!” stelle ich etwas unwidersprochen richtig, während ich mit einem “Quatsch!” auf lange Rechtfertigungen und Widerreden gefasst sein muss. (Und “Bullenscheisse!” konnte sich bei uns leider nie etablieren.)

Harry G. Frankfurt, Philosoph in Princeton, hat mir nun den Gefallen getan, das Wort “Bullshit!” mit unvergleichlicher Prägnanz zu definieren und zugleich die Schädlichkeit von Bullshit zu entlarven. Sein Büchlein On Bullshit (Suhrkamp) habe ich zwar noch nicht gelesen, aber das Interview im Magazin 13/2006 ist sehr verheissungsvoll.

Was bedeutet Bullshit?

“Es heisst, die Wahrheit zu entstellen, ohne sich einer Verzerrung bewusst zu sein. Sogar zu denken, es ist besser, etwas Unwahres zu sagen als gar nichts. [...] Und es kann bedeuten, dass jemand dich manipulieren will. [...] Bullshit ist eine Technik, die Wahrheit zu verbergen. Es geht dabei gar nicht so sehr darum, ob jemand lügt oder nicht. Es geht vielmehr darum, dass jemandem, der im System des Bullshit denkt und lebt, irgendwann das Gefühl dafür abhanden kommt, dass er womöglich auch mal die Wahrheit sagen könnte. Insofern ist Bullshit schlimmer als Lüge – weil dabei die Vorstellung von Wahrheit ganz verschwindet.”

Und warum gibt es so viel Bullshit?

“Bullshit ist ein Weg, ein Ziel zu erreichen. Einen Fernseher zu verkaufen, eine Wahl zu gewinnen, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Aber das ist nicht der einzige Grund: Es gibt heute einfach so viele, die dafür bezahlt werden, dass sie reden. Und diese Leute müssen weiter und weiter reden, selbst wenn sie nicht wissen, wovon sie sprechen.”

Ist Bullshit schädlicher als Lügen?

“Der Lügner gibt wenigstens zu, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wahr und Falsch – der Bullshitter leugnet diesen Unterschied. Und damit untergräbt er ein sehr wichtiges Fundament unserer Kultur, den Respekt vor der Wahrheit. [...] Der Schaden durch Bullshit ist viel tief greifender. [...] Sobald jemand anfängt, seinen eigenen Bullshit zu glauben, ist er in grosser Gefahr.”

Ist Bullshit nur negativ?

“Er ist ein effizientes Mittel, um soziale Beziehungen zu erleichtern. Ein soziales Schmiermittel. [...] Bullshit füllt auch das aus, was wir über uns selbst nicht wissen. [...] Bullshit kann sehr kreativ sein. Bullshit kann Spass machen und Neues in die Welt bringen.”

Und zum Schluss die ganz grosse Frage: Macht Wahrheit glücklich?

“Es ist auf jeden Fall das Einzige, das mich glücklich macht. Alles, was im Leben verlogen ist, ist deshalb unbefriedigend, weil es der Wirklichkeit widerspricht. Wenn das, was du tust, nicht wahrhaftig ist, dann ist es egal, ob du bekommst, was du willst oder nicht – denn das, wovon du denkst, dass du es willst, ist nicht das, was du wirklich willst. Nur wenn das Leben wahrhaftig ist, ist es auch harmonisch.”