Wienux – kein Jux!

25. Januar 2005 | Tim Springer

„Wien ist anders“ – so der Claim der Donaumetropole. Anders ist Wien auch bezüglich seiner Software-Strategie in der Stadtverwaltung: Ein Teil der Mitarbeiter hat ab diesem Jahr die Wahl, auf ihren Rechnern statt Windows eine spezielle Linux-Distribution (auf Basis von Debian und KDE) namens Wienux zu nutzen (Details bei Heise). Der Magistrat der Stadt Wien reicht nun noch eine 70seitigen Studie (PDF) nach, welche detailliert beschreibt, warum und wie Wien den Schritt in die Open-Source-Welt getan hat. Welcome to the Club!

Liebeskummer

22. Januar 2005 | Tim Springer

Ich hätte darauf gewettet (so denn jemand da gewesen wäre, um dagegen zu wetten), und ich wurde nicht enttäuscht: So wie im Zürcher Magazin mit Bern bzw. den Bernern abgerechnet wird („Die Berner Krankheit“) – das konnte in der Berner Gazette nicht unkommentiert bleiben („Bern-Bashing“).

Da gesteht Guido Mingels also ein, dass seine langjährige Liebe zur Stadt Bern und ihren Bewohnern im Rückblick ein Irrtum gewesen sei. Die Berner seien „verliebt in ihre eigenen Klischees“, und diese würden bestimmt durch die historische Altstadt, die alternativ-kleinbürgerlichen Menschen, die charmante Sprache und die alles durchdringende Melancholie. Dabei hätte Bern das Potential zu viel mehr:

„Wenn Bern sich von seiner Krankheit lösen würde, könnte alles anders sein. So wie Basel die Hauptstadt der Industrie und Zürich die Hauptstadt des Geldes ist, so könnte Bern die Hauptstadt der Ideen sein: ein einziger grosser Thinktank, ein intellektuelles Laboratorium, das Berkeley der Alpen.“

Es ist verständlich, dass der Artikel den Bernern nicht gefällt. Aber er ist verdammt gut geschrieben und ausgesprochen überzeugend. Wobei an der Stelle von „Bern“ genau so gut auch „Winterthur“ hätte stehen können – oder der Name einer anderen mittelgrossen Schweizer Stadt.

Aoccdrnig to rscheearch

21. Januar 2005 | Tim Springer

„Aoccdrnig to rscheearch at an Elingsh uinervtisy, it deosn’t mttaer in waht oredr the ltteers in a wrod are, the olny iprmoetnt tihng is taht frist and lsat ltteer is at the rghit pclae. The rset can be a toatl mses and you can sitll raed it wouthit a porbelm. Tihs is bcuseae we do not raed ervey lteter by it slef but the wrod as a wlohe.“

Konkurrenz für Linux

21. Januar 2005 | Tim Springer

Das wird spannend: Sun will noch diesen Monat ihr Betriebssystem Solaris als Open Source Software freigeben und nur noch mit Support Geld verdienen – also so, wie das bei Linux auch funktioniert. Und gegen Linux ist diese Offensive auch gerichtet. Man sei, so Jonathan Schwartz, nur noch auf der Suche nach der optimalen Lizenz (davon gibt es ja bekanntlich eine ganze Reihe). Mehr bei vnunet.com.

The RFID Manifesto

20. Januar 2005 | Tim Springer

Und noch was zum Thema RFID: Declan McCullagh bringt in seinem Artikel „RFID tags: Big Brother in small packages“ einige weitere Aspekte zum Thema ein, die ich bedenkenswert finde. Seine Analyse mündet in vier einfache Forderungen an alle Läden, welche RFID-Tags einsetzen:

  • First, consumers should be notified […] when RFID tags are present in what they’re buying.
  • Second, RFID tags should be disabled by default at the checkout counter.
  • Third, RFID tags should be placed on the product’s packaging instead of on the product when possible.
  • Fourth, RFID tags should be readily visible and easily removable.

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Die Gedanken sind frei

20. Januar 2005 | Tim Springer

„Bewusst einseitig“ nennt das Netbib Weblog meine Zusammenfassung der Datenschutzproblematik bei RFID-Tags. Damit kann ich leben – obwohl ich eher das Wort „kehrseitig“ benutzt hätte: Schliesslich wollte ich statt der hinlänglich bekannten und offensichtlichen Vorteile der RFID-Tags deren versteckte und nicht ganz einfach zu verstehenden Nachteile beleuchten, mithin also die Kehrseite der Medaille zeigen.

Dafür bringt mich Netbib auf einen neuen Aspekt des Themas, den ich nicht unbebloggt lassen möchte: RFID-Tags in Bibliotheken. Es scheint so, dass ausgerechnet Bibliotheken eine Vorreiterrolle bei der Einführung dieser Technik spielen. Das ist verständlich, aber auch bedenklich:

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10 Regeln für sichere Passwörter

19. Januar 2005 | Tim Springer
  1. Je länger je besser – 8 Zeichen im Minimum. Und dabei den Zeichensatz ausreizen: Buchstaben (gross und klein) plus Ziffern plus Sonderzeichen mischen.
  2. Ideal: Eselsbrücken als Merkhilfe benutzen: „Kurz vor sechs vergesse ich immer mein Passwort!“ ergibt Kv6viimP! (Allgemein bekannte Redensarten können aber schon wieder gefährlich sein: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!“ ergibt RiSSiG!) Personen mit einem „akustischen“ Gedächtnis können sich auch mit gut aussprechbaren, aber fiktiven Wörtern behelfen: nEb0l.kRatok#1
  3. Keine Daten mit einem Bezug zum Passwortinhaber (Name, Name von Angehörigen, Geburtsdatum, Telefonnummer, AHV-Nummer, Autonummer, E-Mail, Automarke, Haustier, Hobby, Idol).
  4. Keine Abfolgen von Zeichen, wie sie im Alphabet (pqrstuvw), in Jahreszahlen (1972) oder auf der Computertastatur (qwert, 123456789) vorkommen. Jedes Zeichen soll im Passwort möglichst nur 1x vorkommen.
  5. Keine Wörter, die in einem Wörterbuch vorkommen – egal aus welchem Fachgebiet und aus welcher Sprache. Keine Namen von Stars, Filmfiguren, Ortschaften etc. Keine bekannten Zahlenkombinationen (007, 08-15, 4711, 9/11). Idealerweise ergeben Passwörter für eine andere Person überhaupt keinen erkennbaren Sinn.
  6. Keine blossen Wortumkehrungen, (retep statt peter), Wortwiederholungen (kaffeekaffee) oder Silbenvertauschungen (lobverringungs statt verlobungsring).
  7. Kein blosses Weglassen von Vokalen (psswrt). Keine simpler Ersatz von einzelnen Buchstaben durch Sonderzeichen oder Ziffern (log!n, p@sswort, m1cr0$0ft).
  8. Passwort nicht aufschreiben. (Und falls es trotzdem nicht anders geht: Keine Hinweise anbringen, zu welchem System das Passwort gehört und Notiz zuverlässig wegschliessen.)
  9. Passwörter regelmässig ändern und später nicht mehr „wiederbeleben“. Für unterschiedliche Logins unterschiedliche Passwörter verwenden.
  10. Fragen nach dem Passwort nie beantworten – weder per Mail noch telefonisch. Passwörter niemandem „ausleihen“. Passwörter nie per Mail verschicken und nicht im Web-Browser speichern.

Funkstille?

18. Januar 2005 | Tim Springer

Stille bei den Funk-Etiketten: RFID-Technik kämpft mit Startschwierigkeiten“ titelte die Neue Zürcher Zeitung vor einigen Tagen. Sind das nun gute oder schlechte Neuigkeiten?

RFID-Tags sollen schon bald die Strichcodes ablösen, die uns heute auf unterschiedlichsten Produkten vom Katzenfutter bis zum Vanillepudding begegnen. Das Kürzel steht für Radio Frequency Identification, und die Bezeichnung sagt klar, worum es geht: Identifikation per Funk statt (wie bei den heutigen Strichcodes) per Laserscanner. Die Identifikation erfolgt damit deutlich schneller, weil kein Sichtkontakt zwischen dem RFID-Tag und dem Leser erforderlich ist. Das ist sehr praktisch, weil man so im Supermarkt nicht mehr jeden Artikel aufs Band legen muss – es reicht, wenn man mit dem vollen Einkaufswagen an der Kasse vorbeifährt. Kürzere Wartezeiten beim täglichen Einkauf: Welcher Konsument würde sich das nicht wünschen?

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10 Gründe

16. Januar 2005 | Tim Springer

„Zehn Gründe, weshalb Sie unbedingt einen Blick in die neue Verfassung werfen sollten“ titelte der Tages-Anzeiger letzten Donnerstag. Und opferte fast die ganze Frontseite des Zürich-Bundes, um uns mit ebenso stichhaltigen wie witzig formulierten Argumenten schmackhaft zu machen, was auf der folgenden Doppelseite abgedruckt war: die zukünftige Verfassung des Kantons Zürich, die am 27. Februar zur Abstimmung kommt.

Wohl selten ist das gegenwärtige politische Desinteresse in einer der ältesten Demokratien der Welt so schön auf den Punkt gebracht worden: Heute muss man also den Stimmbürger nach allen Regeln der Kommunikation dazu motivieren, dass er sich einen Verfassungsentwurf vor der Volksabstimmung überhaupt einmal anschaut – während es Länder in dieser Welt gibt, in denen derartige Rechte nicht einmal auf dem Papier existieren.

Abgesehen davon, dass die Verfassung die Grundlage aller Gesetze bildet und uns diese Gesetze im Alltag immer wieder ganz persönlich betreffen: Diese Lektüre ist eine gute Gelegenheit um sich wieder einmal mit ganz grundlegenden Fragen zu beschäftigen.

  • In was für einer Gesellschaft möchte ich leben?
  • Welche Ideale und Prinzipien sind die Grundlagen meines Denkens?
  • Und wie kann man diese vielschichten, komplexen Themen am Schluss in einige wenige Sätze fassen, die präzise und doch allgemein genug sind, dass sie als Grundlage für die Gesetzgebung dienen können?

Auch wenn diese Fragen ernst sind und ernsthafte Antworten erfordern: Gelegenheitlich kann es auch ganz unterhaltend sein, die neue Kantonsverfassung zu lesen. So steht etwa im Kapitel „Grundrechte“ unter Art. 12:

„Die Sprachenfreiheit umfasst auch die Gebärdensprache.“

Anfangs neigte ich ja dazu, dies im Zusammenhang mit Art. 11 zu sehen, wo es um die Rechtsgleichheit aller geht und auch Behinderte erwähnt sind. Inzwischen frage ich mich aber, ob es nicht eher darum geht, dass die Redefreiheit auch den Einsatz der Hände umfasst. Sagt also Art. 12 aus, dass der Stinkefinger eine durch die Grundrechte geschützte Meinungsäusserung ist? Ich bin ja gespannt auf die Abstimmungspropaganda im Februar…

Time is flying

16. Januar 2005 | Tim Springer

Uns modernen Menschen rennt ja ständig die Zeit davon, wir ihr hinterher – wodurch sie sich verständlicherweise verfolgt fühlt und nur noch schneller rennt, so dass auch wir noch einen Zahn zulegen müssen usw. Irgendwann kreuzt dann unvermeidlich eine Deadline unseren Weg, und wir können nur hoffen, bis dahin die Zeit eingeholt zu haben, sonst passiert uns was ganz Schlimmes, schliesslich heisst die Deadline nicht umsonst Deadline. Für Zeitgenossen (ha – wie sinnig!), welche beim Wettlauf gegen die Zeit ständig vor Augen haben wollen, wann es ihnen an den Kragen geht, gibt es nun auch den passenden Zeitmesser:

DeadlineMeter

(käuflich zu erwerben bei CafePress)