Tandem

20. Februar 2005 | Tim Springer

Wir kennen das vom Tandem-Fahren: Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der andere nicht mit vollem Einsatz in die Pedale tritt. Auch bei der Arbeit beschleicht uns oft das Gefühl, dass sich andere nicht ganz so stark ins Zeug legen, wie sie könnten. In beiden Fällen ist unsere Reaktion dieselbe: „Also wenn es sich andere so bequem machen, dann wäre ich ja blöd, wenn ich mich voll einsetzen würde!“

Diese alltägliche Erfahrung ist objektiv zutreffend und sogar wissenschaftlich bewiesen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts mass Max Ringelmann, wie stark sich der Einzelne beim Seilziehen verausgabt. Dabei konnte er klar nachweisen, dass die pro Person aufgewendete Kraft umso kleiner wird, je mehr Personen am Seil ziehen. Der sogenannte Ringelmann-Effekt (der 1974 von Alan C. Ingham experimentell bestätigt wurde) besagt also: Je mehr Personen in einem Team sind, desto weniger setzt sich der Einzelne ein, weil sein Beitrag immer weniger relevant wird und weil es immer weniger auffällt, wenn er sich drückt.

In die Umgangssprache übersetzt: Team = Toll, ein anderer macht’s!

(Das Experiment ist nachzulesen im Buch von Reto U. Schneider.)

To think about [6]

19. Februar 2005 | Tim Springer

„Es ist nett, wichtig zu sein. Aber es ist wichtiger, nett zu sein.“

Wandspruch im Restaurant Weisser Wind

New and improved

15. Februar 2005 | Tim Springer

Für WordPress ist endlich das Update 1.5 erhältlich (Download). Heute findet aus diesem Anlass die Upgrade Party statt – leider in San Francisco, deshalb muss ich passen…

Schlaraffia [2]

15. Februar 2005 | Tim Springer

Es gibt natürlich auch das Gegenteil von Schlaraffia: Unternehmen, die Ihre Kunden für grundlegendste Dienstleistungen schamlos zur Kasse bitten. Die Grossbanken machen es vor und belasten ihren Kleinkunden Spesen, welche die mageren Zinsen oft mehr als auffressen.

Neustes Beispiel: Die Post. Da wird die digitale Briefmarke WebStamp lanciert, mit der man direkt am Computer seine Wertzeichen drucken und dem Gelben Konto belasten kann. So weit, so innovativ. Völlig quer in der Landschaft steht dafür das Finanzierungsmodell: Die notwendige Software schlägt mit 90 Franken zu Buche – pro Jahr, wohlverstanden. Wer jeden Tag genau einen A-Post-Brief verschickt, zahlt pro Brief 25 Rappen Zusatzporto und somit 25 Prozent Aufpreis gegenüber der „analogen“ Briefmarke.

„Das Online-Frankieren eignet sich besonders für kleinere Firmen, Vereine und Privatkunden, die regelmässig geringe Volumen an Brief- und Paketsendungen aufgeben. „

Tatsächlich? Für einen durchschnittlichen Briefeschreiber ist diese Lösung viel zu teuer. Aber vielleicht könnte die Post ja mal bei den Grossbanken anfragen?

Wo wir fahren, lebt Zürich!

14. Februar 2005 | Tim Springer

„Nächster Halt: Römerhof.“

„Äh, Hottingerplatz!“

„Hölderlinstrass natürli! Vor lutter Nüüsse! Das wär emene Automat halt nöd passiert!“

  

„Gsundheit!“ wünsche ich dem Tramchauffeur, der uns heute so blendend unterhalten hat! Selten hat ein Tram so gelacht…

Schlaraffia

14. Februar 2005 | Tim Springer

Dass Finanzierungsmodelle in der heutigen Wirtschaft oft dem gesunden Menschenverstand widersprechen weiss jeder, der schon einmal einen Tintenstrahl-Drucker zu einem lächerlichen Preis erstanden hat – und dem dann das Lachen im Hals stecken geblieben ist, weil er für ein par Milliliter Tinte ein Vermögen hinblättern musste.

Notorisch ist diesbezüglich die Telekommunikationsbranche. Handies kauft man heutzutage nicht mehr – man lässt sie sich schenken, und zwar von den Mobilfunk-Anbietern, die auf diesem Weg jedem Abonnenten einen kleinen roten Teppich ausrollen.

Kann man Gratisprodukte noch übertrumpfen? Man kann – indem man seinen Kunden Geld schenkt, statt welches von ihnen zu nehmen. Tele2 Deutschland schreibt seinen Abonnenten 2 Cent gut pro Anruf, den sie entgegennehmen. Denn wo jemand angerufen wird, ruft auch jemand an, und den kann man dann zur Kasse bitten. Eine clevere Idee, die in Geiz-ist-geil-Land bestimmt funktioniert, weil sich manch einer gerne ein paar Cent dazuverdienen wird, auch wenn er sich dafür mit der Schwiegermutter oder mit dem Steueramt unterhalten muss.

In der Realwelt angekommen

13. Februar 2005 | Tim Springer

Ebay Xchange-Point

  

Das virtuelle Auktionshaus Ebay ist definitiv in der Realwelt angekommen. Gestern im Zürcher Hauptbahnhof gesichtet: der Ebay Xchange-Point, wo man sich treffen kann, um Ersteigertes gegen Bares auszutauschen. Auch wenn wahrscheinlich wenige Ebay-Benutzer davon Gebrauch machen werden: Aus Sicht des Marketings ein tolle Idee. Denn schon bald werden Dates nicht mehr am hoffnungslos übervölkerten „Treffpunkt“ bei der grossen Bahnhofsuhr, sondern beim viel intimeren „Ebay Xchange-Point“ beginnen – und schon ist der Brand in aller Munde…

Alle kennen einen

12. Februar 2005 | Tim Springer

„Alle kennen einen, der es geschafft hat.“ So erklärt Peter Baumgartner (bis vor kurzem Afrika-Korrspendent des Tages-Anzeigers), warum viele Afrikaner in Europa das suchen, was ihnen in Afrika fehlt: eine Perspektive in Form von Arbeit und Einkommen.

In Kenia beispielsweise gibt es für 450’000 neue Arbeitssuchende pro Jahr gerade mal 30’000 Stellen. Unter diesen Umständen haben viele nur die Wahl, sich als Söldner in einem bewaffneten Konflikt wortwörtlich durchs Leben zu schlagen oder eben zu emigrieren. Dass dabei manchmal auch das Asylrecht missbraucht wird, verwundert unter diesen Umständen nicht – schadet allerdings den tatsächlich Verfolgten, die es natürlich auch in Afrika gibt.

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Paradox [1]

10. Februar 2005 | Tim Springer

Paradox ist, sagt S., wenn man seinen Memory Stick vergisst.

Wider die Postkartenschweiz

7. Februar 2005 | Tim Springer

Wer die heile Welt der 08:15-Ansichtskarten nicht mehr erträgt, dem kann geholfen werden, bzw. der kann sich selbst helfen: Er gestaltet seine eigene, subversive Ansichtskarte, lässt sie drucken und schmuggelt sie dann in den Kartenständer eines Kiosks. Unter www.piratenkarten.ch steht, wie’s geht.

Das Ganze versteht sich als „heimliche Reform der Ansichtskarte“, und es geht darum, „die Ansichtskarte an sich zu radikalisieren“. Man kann dies als Aktionskunst verstehen (nachdem die Flashmobs etwas aus der Mode gekommen sind besteht hier ein gewisses Vakuum), man kann es aber auch nur als Schabernack, Kinderkram oder groben Unfug sehen. Ich persönlich finde es eine ungemein kreative Idee, die allerdings aus Kostengründen nicht beliebig viele Nachahmer finden dürfte.

(via Berner Gazette)