Substance: Texte schreiben und publizieren im Web

Substance - web-basiertes Verfassen und Publizieren von Texten

Es ist schwierig, in einem einzigen Satz zu beschreiben, was Substance ist. Die offizielle Definition – a web-based document authoring and publishing platform – ist zwar völlig korrekt, aber zugleich derart abstrakt und unspezifisch, dass sie den Besonderheiten von Substance nicht gerecht wird. Denn schreiben und publizieren kann man auch mit einem Blog, einem Wiki oder Google Docs – Substance jedoch verfolgt ein anderes Konzept.

Zunächst konzentriert sich das Tool ganz auf Inhalte und deren Struktur. So kann man Texte zwar in Kapitel und Abschnitte gliedern, die Möglichkeiten zur Textformatierung hingegen sind ausgesprochen beschränkt. Dies fördert nicht nur die Fokussierung auf das Wesentliche, sondern erleichtert auch die spätere Publikation des Texts in unterschiedliche Ausgabeformate.

Substance fördert das kollaborative Schreiben. So können Texte – sofern sie publiziert sind – von sämtlichen Lesern kommentiert werden. Anders als bei einem Blog steht die Kommentarfunktion nicht bloss für den gesamten Text, sondern pro Abschnitt zur Verfügung, so dass man sehr gezielt Fragen und Verbesserungsvorschläge anbringen kann. Zudem hat der Autor die Möglichkeit, Schreibrechte an bestimmte Personen zu vergeben; diese Co-Autoren können dann den Text nicht nur kommentieren, sondern direkt umschreiben.

Export-Formate von Substance

Ein weiterer Kernfunktionalität von Substance ist die Publikation von Inhalten in unterschiedlichen Formaten. So kann man ein Dokument nicht nur auf www.substance.io bereitstellen, sondern auch in ein Blog einbinden oder in diverse Dateiformate wie z.B. PDF, ODT, RTF, EPUB oder HTML exportieren.

Was an Substance ausserdem auffällt ist die ausgesprochen gepflegte Benutzeroberfläche, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugt. Auf der anderen Seite ist die Software noch nicht so stabil, dass ich sie guten Gewissens für den produktiven Einsatz empfehlen könnte: Mehrfach hat bei meinen Tests etwas nicht so funktioniert, wie es sollte, und schliesslich habe ich sogar den Entwurf dieses Blog-Artikels – den ich natürlich in Substance schreiben wollte – verloren. Bei einer Version 0.3.6 ist dies aber nicht weiter erstaunlich, und der intensive Einsatz von JavaScript fordert wohl auch seinen Tribut. Substance scheint mir jedenfalls ein sehr vielversprechender Ansatz zu sein, auf dessen Fortschritte man gespannt sein darf. Die Software ist unter der GPL v3 lizenziert und für die nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos.

XML Copy Editor: Ein XML-Editor für den Alltag

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Immer mehr digitale Daten sind nicht in proprietären binären Dateien, sondern im XML-Format gespeichert. Für den Datenaustausch und für die langfristige Archivierung hat dies enorme Vorteile. Dabei sind XML-Dateien nichts anderes als strukturierte Textdateien und können deshalb mit jedem beliebigen Text-Editor geöffnet werden. Wer regelmässig XML-Dateien bearbeiten muss, sollte sich allerdings den Komfort eines spezialisierten Editors gönnen.

Da ich kein Entwickler bin, sind meine Anforderungen an einen XML-Editor eher bescheiden. Trotzdem habe ich eine ganze Reihe von Open-Source-Produkten getestet, bis ich fündig wurde. Konkret gelten für mich folgende Minimalanforderungen:

  • Tags und Daten müssen visuell gut unterscheidbar sein (Syntax-Highlighting).
  • Die Hierarchie der Elemente muss über Einrückungen o.ä. erkennbar sein.
  • Elemente müssen auf- und zugeklappt werden können (Folding).
  • Dokumente müssen auf Wohlgeformtheit und Gültigkeit geprüft werden können.
  • Der Editor muss auch mit grossen Dateien umgehen können.
  • Der Editor muss performant sein (rasch geöffnet, flüssig auch im Umgang mit grossen Dateien).
  • UTF-8 muss unterstützt werden.
  • Suchen/Ersetzen-Funktionen im üblichen Umfang sind zwingend.

Um Sie nicht länger auf die Folter zu spannen: XML Copy Editor erfüllt alle diese Anforderungen und ist dabei sowohl für Windows als auch für Linux verfügbar. Er schaffte es insbesondere auch, eine 135 MByte grosse Datei mit über 2,3 Millionen Zeilen zu öffnen. Das dauert dann zwar einen Moment, weil das gesamte Dokument geparsed und formatiert werden muss, aber es funktioniert. Und wer es eilig hat, kann den speziellen Befehl „Öffne grosses Dokument…“ benutzen, dann entfallen Syntax-Highlighting und Klappmechanismen, so dass das Dokument schneller zur Verfügung steht.